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ULTIMATE EDITION: Kingdom Come
Im Jahr 1996 schickten sich der Autor Mark Waid und der Künstler Alex Ross an, der Liste der Meilensteine der Superhelden-Klassiker ein neues Werk hinzuzufügen: 'Kingdom Come'. Die als vierteilige Miniserie konzipierte Geschichte erschien zuerst von Juli 1996 bis Oktober 1996 und wurde später in diversen Paperbacks nachgedruckt bis hin zu Deluxe-Hardcoverausgaben. In Deutschland erschien 'Kingdom Come' erstmalig im März 1997 bei CARLSEN und beinhaltete die vier Hefte von 1996. Obwohl der Preis damals mit 49,90 DM schon recht hoch war, war der Band immer stark nachgefragt und schon bald ausverkauft. In der nun vorliegenden Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag druckt Panini erstmals bisher in Deutschland unveröffentlichtes Material ab. Neu ist das Zwischenspiel von Superman auf Apokolips mit dem Treffen mit Orion (vier Seiten) und der Epilog (acht Seiten), in dem Wonder Woman und Superman im Restaurant "Planet Krypton" Batman mit der Tatsache überraschen möchten, dass Diana schwanger ist – dieser aber natürlich, als guter Detektiv es schon weiß.
Ebenso neu sind diverse Zeichnungen, Cover mit Erklärungen und Sketche von Alex Ross, sowie ein Vorwort von Elliot S. Maggin (3 Seiten).
Auch die Übersetzung ist neu: Ein schlimmer Fehler der Carlsenausgabe wurde endlich bereinigt - nun ist nicht mehr Bone für die Zerstörung der Bathöhle zuständig, sondern tatsächlich Bane.
Es sind nicht nur die neuen Sachen, die diesen Band zu einer Kaufempfehlung machen, es ist und bleibt vor allen Dingen die durchdachte, epische Erzählung, die seit ihrem Erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Angesiedelt ist die Handlung in einer fiktiven Zukunft des DC Universums. Unsere bekannten Helden haben sich alle zurückgezogen und leben in selbst gewählten Exilen. Allen voran Superman, der tief in seiner Festung der Einsamkeit in einer Holografie-Scheinwelt seiner Arbeit als Bauer in Kansas nachgeht. Ihren größten Helden beraubt, ist für die übrigen Helden von einst das Leben schwerer geworden. Neue Helden der zweiten Generation sind aufgetreten und ohne Unterweisung der erfahrenen Vorgänger fehlt ihnen jedes Bewusstsein für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Ohne Moral kämpfen sie nur noch um des Kämpfens willen. Einer der stärksten aus ihren Reihen ist Magog.
Gerne hatten die Menschen ihr Schicksal in die Hände dieser neuen Helden gelegt, weil sie der Ansicht waren, dass die Methoden von Superman und Batman zu sanft und altmodisch waren. Diese Welt ist jetzt nur die logische Konsequenz von noch mehr Gewalt. Damals hatte Magog den Joker getötet und die Staatsanwaltschaft hat ihn freigesprochen. Die Menschen ernannten Magog zu ihrem neuen Beschützer – Superman überließ ihm kampflos Metropolis.
Und dann passiert das, was dem Jüngsten Gericht nahe kommt: Bei der Jagd auf den Parasiten durch Magog und seine Helfer – darunter auch Captain Atom – kommt es zu einer verheerenden Tragödie. Obwohl der Parasit schon besiegt ist, geht der Kampf weiter und in einer letzten Verzweifelungstat spaltet dieser Captain Atom; eine nukleare Katastrophe unglaublichen Ausmaßes ist die Folge. Jetzt fallen für die Übermenschen alle Schranken der Vorsicht und Beherrschung. Aber auch dies ist ein Zeichen für die alten Helden, sich wieder zurück zu melden. Superman spricht vor dem UNO-Hauptquartier: “Während unserer Abwesenheit kam eine neue Rasse von Metamenschen empor...eine gewaltige Phalanx.........“
Die Konfrontation Magog gegen Superman ist unausweichlich.
Die Helden rüsten sich zum Krieg – die neuen Metawesen sollen sich den Idealen von einst anschließen oder in einem riesigen Gulag zur Umerziehung weggesperrt werden. Aber beraubt ihrer Freiheit wird das völlig überfüllte Straflager zum brodelnden Hexenkessel. Und als es zur Revolte kommt, sind die Ansichten, wie dem am besten begegnet werden sollte sehr unterschiedlich: Wonder Woman möchte mit Gewalt sie niederschlagen und Superman ohne. So werden aus Verbündeten Gegner.
Aber die Menschen sind nicht glücklich über das Ansinnen von Superman und seiner neuen Justice League, die er um sich gesammelt hat. Er scheint die Weltherrschaft an sich reißen zu wollen, dabei würde es doch reichen die Weltordnung wieder herzustellen – das zu mindestens möchten scheinbar Lex Luthor und Bruce Wayne. Und so verbünden sie sich, um im bevorstehenden Krieg mitzuspielen. Aber beide spielen mit gezinkten Karten. Denn Luthor hat Captain Marvel durch Gehirnwäsche unter seiner Kontrolle und Batman weiß darum und möchte ihn ausschalten.
Interessanterweise ist Xu'Ffasch – der Sohn von Batman – der Unterhändler von Lex Luthor, der die Verhandlungen in Gang gebracht hatte.
Es droht ein Krieg ohne Gewinner – ein Krieg der in Auslöschung aller Beteiligten zu enden droht.
Und so schickt sich die Menschheit an, eine Bombe zu schicken, die alle Probleme lösen können soll. Eine Atombombe – geworfen auf den Kriegsschauplatz zwischen revoltierenden Gefangenen und Kämpfer für deren Unterschlagung – soll die Mehrzahl der Metawesen vernichten und dem Krieg ein Ende bereiten. Die Bombe fällt und der Preis ist hoch. Aber am Ende herrscht wieder mal Frieden und Einsicht. Für wie lange?
Waid versteht es geschickt, menschliche Abgründe darzulegen, und alle Probleme der Geschichte und der Weltpolitik mit ihren Ränkespielen, falschen Bündnissen, eigenen Machtinteressen und Krieg und Frieden, Liebe und Hass wie in einem Kaleidoskop in einen Comic zu bannen. Aber letztendlich fällt ihm, dem Autor auch nichts anderes ein, als den Menschen im wahren Leben durch die Geschichte hindurch: Die Lösung durch immer mehr Gewalt
Wieder einmal wird auf die Übermacht von Superman eingegangen und herausgestellt, welche Verantwortung er für die Welt und die Menschheit hat.
Das Duo Waid/Ross lässt eine Armee von Charakteren aufmarschieren, die sich nahezu wie das komplette Who’s Who des DC Universums liest. Vieles hat sich geändert in dieser möglichen Version der DC-Zukunft: Alte Helden und Bösewichte sind abgetreten und viele haben Nachfolger und Kinder, die in ihre Fußstapfen treten. Nahezu alle Charaktere vermag das Kreativteam in eine schlüssige und sinnvolle Handlung einzubauen.
Die Bildergewalt von Alex Ross nimmt einen von der ersten Seite an gefangen und seine (fast schon zu) realistischen Darstellungen hauchen den Figuren Leben von ungeahnter Dichte und Glaubwürdigkeit ein.
Zwei Jahre später versuchte Waid eine Fortsetzung zu schreiben (THE KINGDOM; dt. bei DINO), an deren Ende die Einführung der Hypertime lag, aber das Werk scheiterte und heute möchte bei DC niemand mehr etwas von diesem (zu mächtigen?) Konstrukt einer allumfassenden Realität mit der Lösung aller Continuity-Probleme wissen. Ebenso wollte Ross von Anfang an nicht an dieser Fortsetzung mitarbeiten und distanzierte sich auch von diesen Ideen.
Wer ein passendes Geschenk sucht, der macht mit 'Kingdom Come' sicher nichts falsch – entweder verschenken oder sich schenken lassen.
Details ULTIMATE EDITION: Kingdom Come Enthält: 'Kingdom Come' #1 bis #4 und Zusatzmaterial Erscheinungsdatum: 22.09.2005 Text: Mark Waid Zeichnungen: Alex Ross Cover von Alex Ross aus dem Amerikanischen von: Christian Heiß Buch im Hardcover mit Schutzumschlag € 34,95; 236 Seiten; farbig Panini/DC Comics
Norbert Elbers
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