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Titanen der Zukunft
Um es direkt vorweg zu nehmen: Die wohl wichtigste Aussage in dem Heft ist die Frage, wie sich wohl der Inhalt von Superhelden-Comics entwickeln könnte, wenn man dem Trend der letzten Jahre noch weitere Jahre folgen lassen würde. Superhelden-Comics blicken auf eine lange Tradition zurück. Ihre Anfänge liegen im Jahr 1938 mit dem Erscheinen des ersten Superhelden - Superman. Er strahlt von allen Helden am meisten und sein Kampf für das Gute endet nie. Er und seine Kollegen waren Helden, die starke moralische Prinzipien verfolgten, wenn auch sie diese versuchten mit Gewalt zu erreichen. Gewalt zwar als legitimes Mittel, aber dennoch gab es ganz klar definierte Grenzen: Töten oder das Hinnehmen von menschlichen Verlusten war unter keinen Umständen erlaubt. Und dann begann die Zeit, wo neue "Helden" auftraten und in dieser waren Tote mit einkalkuliert - später sogar erwünscht. Hatten die Macher der Superhelden-Comics doch erkannt, dass man damit auch Umsatz machen konnte und die Leser solche Geschichten forderten. Aber was würde das für die alten Helden bedeuten? Sollten sie diesen Modetrend mitmachen? Wie würden sie sich verändern und wo würde das enden?
Wie glaubhaft wäre das, wenn strahlende Helden, plötzlich zu Henkern mutierten?
Und genau dieses spannende Problem wird in dem vorliegenden Band der TEEN TITANS erörtert. Die Titans waren in die Zukunft geschleudert worden und trafen dort auf die LEGION DER SUPERHELDEN und es folgten Schlachten gigantischen Ausmaßes. Hier in der Zukunft gehörten sie aber nicht hin und so suchte man nach einem Weg wieder zurück in die eigene Zeit zu kommen, von der man schließlich gekommen war. Aber bei dem Rücksprung ging etwas schief - man landete nicht mehr genau an dem Punkt des Zeitstromes des Ausganges, sondern zehn Jahre in der Zukunft von einst. Die Welt hat sich verändert. Aus den Kindern von damals sind verbitterte "Helden"(?) geworden, die sich in einem Krieg befinden, der mit der KRISE angefangen hatte. Mord und Folter sind nun die legitimen Mittel im Kampf gegen das Böse. Aber wodurch unterscheiden sich die "Guten" von den "Bösen", wenn die Wahl der Mittel identisch ist?
Die Toten in diesem "Krieg" sind unzählig und sie liegen alle auf demselben Friedhof. Sehr pointiert wird dies vom Kreativteam dargestellt. Bruce Wayne liegt neben den anderen Irren vom Arkham Asylum in derselben Erde. Am Ende waren die Unterschiede nicht mehr so groß und nun im Tod sind alle gleich.
Aus Robin/Tim Drake ist nun zehn Jahre in der Zukunft ein Batman geworden, der keine Sekunde daran zögert mit einer Schusswaffe das Leben von Mördern zu beenden. Aus Superboy/Conner Kent ist ein Superman geworden, der Batmans Befehlen blind gehorcht und der Gefangenen den Arm wegbrutzelt, um Geständnisse zu entlocken. Abu Ghureib oder Guantanamo lassen grüßen?
Denn es scheint, dass dies die Zukunft der Superhelden sein wird, wenn sich der oben beschriebene Trend der letzten Jahre ungebremst fortsetzen würde. Es stellt sich unweigerlich die Frage: Will so etwas in der Zukunft jemand in Superhelden-Comics lesen? Wie intelligent kann das sein, wie spannend ist so etwas wirklich?
Das kann und darf nicht die Zukunft sein. Dies erkennt auch Robin/Tim Drake sehr gut, als es zur unweigerlichen Konfrontation zwischen ihm und seinem älteren Ich/Batman kommt. "Moral darf bei der Vollstreckung von Gerechtigkeit keine Rolle mehr spielen." Doch Robin weiß es besser – dem Modetrend folgen kann nicht aus Krisen führen.
Die jungen Teen Titans haben also ernsthafte Probleme und die Frage, wie sie es schaffen werden, wieder in ihre Zeit zu kommen wird dann wohl im nächsten Band beantwortet. Hilfe scheint ihnen in Form einiger ehemaliger und ganz neuer Titans zu zukommen, die nicht dem Weg des bösen Batmans folgen und standhaft geblieben sind.
Die Krise wirft also schon ihre düsteren Schatten voraus – man darf gespannt sein, was genau auf uns zu kommt und wie das DC Universum danach aussehen wird.
Details Teen Titans 5: Titanen der Zukunft Enthält: US-Teen Titans/Legion Special #1 " Superboy und die Legion - Teil 2" Text: Mark Waid und Geoff Johns Zeichnungen: Ivan Reis und Joe Prado Tusche: Marc Campos US-Teen Titans #17 und #18 Text: Geoff Johns Zeichnungen: Mike McKone Tusche: Marlo Alquiza US-Teen Titans/Outsiders Secret Files 2003 "Who Was Donna Troy?" Text und Zeichnungen: Phil Jimenez Tusche: Andy Lanning aus dem Amerikanischen von Christian Heiß Prestige € 12,90 100 Seiten; farbig Panini/DC Deutschland
Norbert Elbers
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