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Batman Manga: Child of Dreams 1+2
 Child of Dreams - Hardcover |
von Kia Asamiya
(ACHTUNG! Die Rezension enthält potentielle Spoiler!)
Bevor ich anfange noch ein kleiner, vielleicht nerviger Hinweis: Ich bin nur ein Batman-Newbie, und kenne Batman-Comics vor allem aus der Stadtbibliothek meiner Heimatstadt. So bin ich über die Hintergründe der Batmanwelt vor allem durch die zahlreichen Fansites des Internets vertraut. Das wirkt sich natürlich auch auf meine Kritik aus...
Kia Asamiya schuf mit dem Manga den ersten Batman-Manga überhaupt; er war gleichzeitig (wohl) der erste Batmancomic, der in Japan im großen Rahmen erschien und damit die erste Begegnung vieler Mangaleser dort mit Batman als Comic- und nicht als Filmfigur bedeutete.
Entsprechend wählte Kia Asamiya seine Geschichte äußerst geschickt aus: Der mit Batman noch nicht vertraute Leser wird mit der Figur der Reporterin Yuuko Yagi, die Batman interviewen möchte, an ihn herangeführt: Sie wie auch der unerfahrene Leser lernen ihn und seine Gegner langsam kennen.
Gleichzeitig gelingt es Asamiya ebenfalls, eine zufriedenstellende Idee zu finden, die Hauptbösewichter Batmans vorzustellen: In Gotham tauchen nacheinander Doppelgänger derselben auf, die ihnen nicht nur physisch, sondern auch psychisch gleichen. So umgeht Asamiya das Problem, einen Massenausbruch erklären zu müssen (Bane lässt grüßen).
Worauf Asamiya besonderen Wert legt, scheint mir die Darstellung der beiden Seiten Bruce Waynes zu sein: Einerseits der charmante, nette Industrielle - andererseits der verbissene, kalte Superheld. Diese doppelte Perspektive wird beibehalten, nur in einer Restaurantszene mit Yuuko Yagi bricht bei der Erinnerung an den Tod seiner Eltern kurzzeitig die kalte (und wohl wahre) Seite von Bruces Charakters hervor.
Daneben stellt Kia Asamiya in der Geschichte zahlreiche andere Aspekte Batmans vor: Batman kämpft (gegen Two-Face, gegen den Joker, sogar gegen einen Doppelgänger seiner selbst); Batman recherchiert und kombiniert (Bruce sitzt vor seinem Computer, um Zusammenhänge zu ergründen; er bricht als Batman in ein Gebäude ein, um wichtige Daten zu stehlen; er kombiniert im Batmobil "wie Nick Knatterton" über die Doppelgänger; er untersucht Drogenpillen, die in Gotham aufgetaucht sind, mit der Lupe, wenn auch nur am Rande); Batman arbeitet mit Commissoner Gordon zusammen (er trifft ihn auf dem Dach des Polizeireviers); Batman ist nicht zu brechen und hält sich an seinen Kodex (was mir nicht unbedingt sehr gelungen vorkam, aber deswegen auch nicht unbedingt schlecht ist: der Schlusskampf, in dem Batman nicht aufgibt und in dem es ihm auch kurz vor seinem voraussichtlichen Tod vor allem darum geht, die gefährdete Yuuko zu retten).
Storytechnisch ist der Detektivfall vielleicht etwas vorhersehbar, aber im Gegensatz zu anderen Geschichten kommt die kombinierende Seite Waynes hier durchaus zu tragen. Dass er nach Japan reist, ist angesichts der Nationalität des Autors vielleicht nicht verwunderlich, sagt er doch selbst im Interview: "Superman finde ich cool, aber Batman möchte ich am liebsten selber werden. (...) Wenn ich das Geld hätte, dann würde ich mir ein originalgetreues Batmobil kaufen (...) und dann auf Japans Straßen rumdüsen." Das schlägt sich übrigens auch in der Geschichte nieder, nicht nur, wenn Bruce nach Japan reist, um den Fall zu klären...
Asamiya hat wie gesagt daran gedacht, zahlreiche Seiten des Dunklen Ritters zumindest zu erwähnen, z.B. seine analysierende Seite in der kurzen Untersuchung der Drogenpille, das Sinnieren Batmans über seine gespaltene Identität und die Rolle von Masken, um die Identität zu wechseln, die philantropische Seite Bruce Waynes bei seinem Besuch in Tokio (er spendet einer Stiftung einen großen Betrag) und natürlich Alfreds Anrede als "Master Bruce". Das Arkham Asylum hat einen kurzen, Wayne Manor und das Batsignal einen etwas längeren Auftritt.
So erhält der Leser, der Batman zum ersten Mal begegnet, zumindest einen guten Überblick über die Figur. Es ist vielleicht ärgerlich, dass Asamiya auf manche Punkte nur am Rande eingeht (so haben unter anderem der Riddler und der Pinguin nur einen sehr kurzen und "sprachlosen" Auftritt), andererseits sollte man nicht vergessen, dass Asamiya dadurch durchaus sein Verständnis für die Figur Batman zeigt und er einen Kompromiss zwischen Überblick und Detail eingehen musste (und trotz allem hat der Joker einen schön ausführlichen Auftritt...).
Natürlich hat Asamiya ein neues Batmobil entworfen, und er präsentiert als Gadget den Batarang, einen Peilsender, aber auch (von ihm erfunden?) eine Pistole zum Abschießen eines Seils mit Greifmechanismus und eingebautem Motor zum Hochziehen, die schließlich storytechnisch entscheidend sein soll...
Als kleines Detail benutzt Asamiya zwei Batsuits: Im ersten Teil in Gotham das aktuelle mit dem gelben Brustlogo, im zweiten Teil in Japan das klassische mit dem direkt auf den Anzug gemalten schwarzen Fledermauslogo.
Zeichnerisch ist der Manga meines Erachtens gelungen: Die Personen sind durchaus realistisch gezeichnet (was laut Asamiya auch Voraussetzung von DC war).
Was mich allerdings nervt, ist Bruce Waynes und entsprechend Batmans große Nase. Zudem habe ich beim Lesen manchmal den Überblick verloren und erst nach einiger Zeit verstanden, wie manche Bilder vom Lesefluss her zusammenpassen sollen und was auf einem Bild eigentlich dargestellt sein soll.
Die Leserichtung des Mangas ist traditionellerweise von rechts nach links; für den unerfahrenen Leser kann das natürlich äußerst frustrierend sein und den Lesefluss beträchtlich schmälern...
Die positiven Aspekte überwiegen aber bei weitem: Asamiya verwendet alle Register der Mangazeichenkunst, seine Bilder sind äußerst detailliert. Für einen Manga typisch sind sie in schwarz-weiß gehalten, was für mich ein wenig von ihrer Wirkung einbüßen lässt. Dass die Geschichte nicht in der üblichen Mangaheft(buch)größe (eher DIN A 6), sondern in einem Format zwischen DIN A 5 und DIN A 4 veröffentlicht worden ist, ist wegen der Qualität (und Größe) der Zeichnungen meines Erachtens absolut gerechtfertigt.
Was beide Alben abrundet, sind die Farbseiten und Miniposter am Anfang und die Lexikonteile am Schluss: Im ersten Teil wird ein Interview mit Asamiya abgedruckt, und es werden Batman und einige seiner wichtigsten Gegner vorgestellt; im zweiten Teil hingegen wird die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte Batmans mit den Fernsehserien, Franchiseartikeln, Heftserien und Filmen, die diese Figur bis 2001 hervorgebracht hat, vorgestellt.
Abschließend denke ich, dass besonders Einsteiger in die Batmanwelt den Manga auf jeden Fall beachten sollten: Einerseits, weil er eine gute Geschichte bietet, die viele typische Elemente Batmans präsentiert, andererseits wegen des Lexikonteils.
"Fortgeschrittene" werden am Manga nicht nur ihre Freude haben, weil er der erste Batman-Manga ist, sondern auch wegen der Qualität der Zeichnungen und der Geschichte.
Den Manga gibt es in Form von zwei Softcoveralben mit Metallicdoppelumschlag und als Hardcoverausgabe bei panini Comics oder in jedem guten Comicfachgeschäft.
Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass diese Rezension meine eigene, subjektive Meinung widerspiegelt (wobei fraglich ist, ob es überhaupt eine "objektive Meinung" geben kann...). Bitte also nicht beschweren, wenn man aufgrund meiner positiven Rezension etwa 25 EUR ausgegeben hat und einem der Manga nicht gefällt... ;-)
Abschließend noch einen großen Dank für die zahlreichen Fansites im Netz und die Kritik bei Batman's, die mich "inspiriert" hat.
(Tentos)
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