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Detective Comics #5 und 6:
Batman: Das erste Jahr
 Detective Comics #5 | An diesem 4. Januar liegt in Gotham City an der Ostküste Schnee. Wie in jeder Großstadt gibt es auch hier soziale Brennpunkte und organisierte Kriminalität, und wie jede Großstadt begrüßt auch diese an diesem Tag zahlreiche Personen, die in die Stadt kommen, um von nun an in ihr zu wohnen. Doch unterscheidet sich die Stadt von anderen dadurch, dass die Kriminellen auch hinter den Schreibtischen der Polizei und auf den Richterstühlen sitzen und es sehr schätzen, mit den zahlreichen Mafiosi bei informellen Treffen miteinander zu essen und sich auch geschäftlich auszutauschen.
Lieutenant James Gordon hat zwölf Stunden hungrig im Zug ausgeharrt, um nun am Bahnhof von seinem neuen Kollegen Flass begrüßt und im Revier seinem neuen Vorgesetzten Commissioner Loeb vorgestellt zu werden. Strafversetzt wegen eines nicht näher erwähnten Fehlers in die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate der USA, ist Gordon niedergeschlagen und macht sich selbst Vorwürfe, seine schwangere Frau dazu verdammt zu haben, mit ihm in diese Stadt ziehen zu müssen. Er spürt den indirekten Druck der meisten seiner Kollegen, bei den illegalen Geschäften mitzumachen und die eigene Macht sogar zu sadistischen Vergnügungen auszunutzen, doch gelingt es ihm, sich ihnen gegenüber Achtung zu verschaffen. Doch schon bald gerät er in den Konflikt, auch Gefühle für die attraktive Kollegin Sarah Essen zu hegen und gleichzeitig nicht zu wissen, was er von dem vor kurzem aufgetauchten, waffenlos kämpfenden und die korrupte Elite schwächenden Vigilanten namens Batman halten soll.
Der Milliardär Bruce Wayne dagegen schwebt an diesem 4. Januar komfortabel im Flugzeug in Gotham ein. Umringt von einer Menge wohlwollender Reporter kehrt er nach Hause in seinen am Stadtrand gelegenen Familiensitz Wayne Manor zurück, in dem sein Butler Alfred ihn erwartet. 12 Jahre hat der nun Fünfundzwanzigjährige im Ausland verbracht, und Gerüchte um Frauen machen die Runde. Keiner kann wirklich ahnen, was Bruce Wayne tatsächlich vorhat, als er am 11. März die Nacht in einem Hotel verbringen möchte, in dem momentan auch eine "Sexgöttin aus Hollywood" wohnt. Statt einige unterhaltsame Stunden mit ihr allein zu sein, zieht es ihn allerdings, von den anderen unentdeckt, in das Rotlichtviertel der Stadt - nicht aber, um eben dort zweifelhaften Vergnügungen nachzugehen, sondern um einen ersten Einblick in die Unterwelt seiner Heimatstadt zu erhalten. Doch er provoziert fahrlässigerweise eine Schlägerei mit einigen Prostituierten, gerät auch an eine namens Selina Kyle, und wird von der plötzlich auftauchenden Polizei niedergeschossen. Die beiden Polizisten fahren mit dem verblutenden, von ihnen nicht erkannten Milliardär los zum Polizeirevier. Um einer Publikmachung seines nächtlichen Streifzugs zu entgehen, versucht Bruce sich zu befreien, provoziert dadurch allerdings einen Unfall und kann nur mit größter Anstrengung die beiden ohnmächtigen Polizisten aus dem Auto und sich selbst nach Hause retten.
Angst! Angst, wird ihm klar, ist der Schlüssel, um seiner Besessenheit gerecht zu werden - seiner Besessenheit, in Gotham anderen ein ähnliches Schicksal und einen ähnlichen Schrecken zu ersparen, den er erfuhr, als im Alter von 7 Jahren seine Mutter und sein Vater vor seinen Augen von einem namenlosen Verbrecher erschossen wurden. So bittet er verblutend im Arbeitszimmer seinen Vater, er möge ihm ein Zeichen senden. Da bricht - Einbildung? Wirklichkeit? - eine riesige Fledermaus durch eines der Fenster, und von Glück erfüllt und seinem Vater dankend, beschließt Bruce, selbst zur Fledermaus zu werden.
Bald schon durchstreift er nachts in einem fledermausähnlichem Kampfanzug Gotham; erst legt er sich mit den unorganisierten Kleinkriminellen an, dann mit der korrupten, organisierten Elite der Stadt. In dem idealistischen, stellvertretenden Staatsanwalt Harvey Dent findet er einen ersten, losen Verbündeten, während er von der Polizei, darunter auch teilweise widerwillig von Gordon, gesucht wird. Auch wenn ihn sein Vigilantentum beinahe das Leben kostet und Glück oft genug der alleinig entscheidende Faktor ist - seine Besessenheit lässt kein Zurück zu. Zwar wird er mit der gegen Ende des Jahres auftauchenden Verbrecherin Catwoman in Verbindung gebracht, doch ist das unerheblich, als es ihm schließlich gelingt, eine Erpressung Gordons durch die Mafia zu verhindern, dadurch dessen Vertrauen zu gewinnen und Harvey Dent den ersten großen Schlag gegen einige der "großen Fische" zu ermöglichen.
Das erste Jahr des Dunklen Ritters wird einerseits aus der Sicht seines zukünftigen und wichtigen Freundes Gordon und andererseits aus der Sicht Batmans selbst berichtet. Und deutlich treten dabei die großen Parallelen dieser teilweise unterschiedlichen Personen zu Tage: Beide haben sie ein Erlebnis in der Vergangenheit, dass sie nach Gotham führt, beide vereint der Wunsch, gegen das Verbrechen in der Stadt vorzugehen, beide verabscheuen Waffen, beide müssen sich in ihre neue Bestimmung erst einarbeiten. Und doch wird deutlich, dass bei Bruce Wayne all das ins Extreme gezogen ist: Im Gegensatz zu Gordon verzichtet er auf ein Privatleben, mit dem seine Besessenheit in Konflikt geraten könnte. Batman und Gordon müssen sich beide erst Respekt vor ihren Gegnern verschaffen, doch während es Gordon Flass gegenüber in einem Boxkampf unter vier Augen gelingt, erschafft Bruce dazu das Batkostüm (übrigens noch klassisch grau-schwarz), um Angst zu verbreiten. Dabei zeigen sich neben seinem Waffenverzicht bereits seine Prämisse, niemanden zu töten, und seine detektivischen und sehr großen physischen Fähigkeiten.
Gordon selbst ist noch Lieutenant, muss sich seinen Ruf erst erarbeiten und in privater Hinsicht größere Konflikte austragen als Bruce - so dass man versucht wäre zu sagen, dass er mehr durchleidet als Batman selbst. Dessen wahrer Identität kommt er übrigens sehr nahe, und es ist wohl nur ihr Vertrauensverhältnis, das ihn am Ende davon abhält, Batman zu demaskieren.
 Detective Comics #6 | Frank Miller hat sich dafür entschieden, vor allem die Gedanken dieser beiden Personen in einem ihrer wichtigsten Jahre als "Sprecher" neben den Dialogen der zahlreichen anderen Charaktere zu Wort kommen zu lassen. Er beschränkt sich in seiner Erzählung allerdings nur auf dieses erste Jahr und setzt sogar das Datum an den Beginn jeder neuen Szene. Nur am Rand erfährt man von Gordons und von Bruces früheren Aktivitäten, und außer der Ermordung Bruces Eltern gibt es keine Bilder aus der Vergangenheit zu sehen.
Die einzelnen Szenen scheinen episodenhaft, oft genug erfährt man von wichtigen Details wie Barbara Gordons Schwangerschaft und der dichten Machtverflechtung der offiziellen und inoffiziellen Eliten Gothams untereinander nur am Rande. Zusammen mit den Gedanken der beiden Hauptcharaktere ergibt sich ein Stil, der den Leser selbst zum Beobachter an Stelle eines simplen "Zuschauers" macht. Dabei wird er hin und wieder auch Humor entdecken, so z.B., wenn Alfred im Hintergrund einen Artikel über Schlafmangel und damit verbundener Aggressivität liest.
David Mazzucchelli setzt die Geschichte in Zeichnungen mit simpler Linienführung, einem unmodernen Lettering und einfachen Farbrastern um, sodass man meinen könnte, ein Comic der 1940er vor sich zu haben. Die Actionszenen, schon sehr spärlich gestreut, wirken dadurch noch einfacher und undynamischer - wohl aber kein großer Verlust, stehen doch nicht Kämpfe, sondern die beiden Charaktere im Vordergrund.
Frank Miller gelingt es also, die Frage nach der Herkunft Batmans zusammen mit David Mazzucchelli ruhig, stimmig und äußerst realistisch zu beantworten: Gotham hat sich am Ende des Jahres nicht nennenswert verändert, es zeichnet sich nur ein Silberstreif am Horizont ab; Batman selbst ist nicht übermächtig, sondern eben nur ein anfangs teilweise noch unerfahrener, entschlossener Mann, der in der Finsternis und in einem freiwillig in Gefahr gelebten Leben die Antwort auf sein Schicksal sieht.
Oft genug wird dieser Comic als ein Muss für den Batmanfan genannt, und ich stimme dieser Meinung zu. Nicht umsonst wird diese Geschichte im Anhang von "Child of Dreams" als "Defining" bezeichnet. Miller gelingt es, das erste Jahr im Leben Waynes und Gordons in Gotham so zu erklären, dass die Ursprünge für die Beziehungen der beiden zu sich selbst, zueinander und zur Stadt in den späteren Geschichten erklärt sind: Am Ende erwartet Gordon Batman im Dezember auf dem Dach des Polizeireviers, denn ein mysteriöser "Joker" hat gedroht, das Trinkwasser der Stadt zu vergiften; es ist der Beginn des alltäglichen Wahnsinns.
Und selbst wenn die Geschichten einem schlussendlich nicht gefallen sollte: Bei nur 9,10 € (Deutschland) geht man mit diesen beiden Comicbänden (von zugegebenermaßen einfacher Verarbeitung) wirklich kein Risiko ein, sowohl als Batneuling als auch als "Profi".
P.S.: Achtet bei der Lektüre auf die zahlreichen Figuren der Popkultur (Donald Duck, Peanuts), die im Umfeld von Commissioner Loeb auftauchen.
[Tentos]
"Batman: Das erste Jahr" Teil 1 und 2 sind in der Reihe "Detective Comics" und als Sammelband bei Panini Comics erschienen.
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Details: Detective Comics Story: Frank Miller Zeichnungen: David Mazzucchelli Farben: Richmond Lewis Übersetzung: Christian Heiss Je 52 Seiten, je Euro 4,55 Panini Verlag
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