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DC Premium #60:
Joker
Was habe ich nicht alles über dieses Comic im Vorfeld gelesen und gehört? Blutrünstig und genial soll es sein, vergleichend mit einem großen Verbrecherepos, ein Meilenstein der Comic Kunst, das beste Joker Comic seit 'The Killing Joke'. Aber auch ein enttäuschendes Werk nach dem grandiosen 'Lex Luthor: Man of Steel', ein aufgeblasenes sinnlos brutales Comic mit zwar schönen Bildern aber schrecklich dünner Geschichte, gewaltgeil und überraschungsarm.
Aber wie das ja so ist: Am besten man macht sich immer selbst ein Bild. Warum immer auf andere hören und sich schon vorher irgendeine Meinung einreden lassen die eventuell das Lesen trübt. Auf dem Backcover heißt es viel versprechend: Ein Joker wie im Film! Natürlich ein schönes Lockmittel, denn Ledgers Joker aus 'The Dark Knight' ist jetzt schon eine Ikone der Filmgeschichte geworden. Ich blätterte meinem Comic Dealer die 16,95€ auf den Tisch (naja, eher 'nen 20er, Ich habe es nie passend!) und der grinste mich an und sagte: "Das ist genau das Richtige für dich!" Wie kam er denn darauf? Nur weil ich ein Joker T-Shirt und ein Tattoo des alten Grinsers mit mir rum trage?
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Kleinganoven Johnny Frost erzählt. Ein cooler Name für einen absoluten Niemand. Johnny erklärt sich bereit den Joker abzuholen der heute aus der Heilanstalt Arkham entlassen wird. Irgendwie hat es der Killerclown nämlich geschafft auf natürlichem Wege herauszukommen, als wie sonst üblich durch einen meisterhaften Ausbruchsplan. Joker schließt den naiven Kerl direkt in sein Herz, denn der reicht ihm ohne zu zögern einfach seine Waffe. Etwas was man sich beim Joker zweimal überlegen sollte. Die beiden machen sich auf den Weg zu Killer Croc, mit dem Joker eine Art Freundschaft verbindet und der dem Clown helfen will in Gotham wieder Fuß zu fassen. Während der Wiedersehensfeier mit einem Teil seiner Bande, zieht der Joker einem seiner alten Weggefährten im wahrstem Sinne des Wortes das Fell über die Ohren und macht den anderen Partygästen direkt klar, wie enttäuscht er doch ist, was während seiner Abwesenheit so lief. Der einzige dem damit nicht der Abend verdorben wird, ist unser lieber Mr. Frost der von dieser irren Gewalt geradezu fasziniert ist. Mit Hilfe von Croc, Johnny, seiner treu ergebenen Harley Quinn und anderen finsteren Seelen will er der Stadt zeigen wer hier wirklich das Sagen hat. Man überfällt eine Bank und "überredet" den guten alten Pinguin das erbeutete Geld fruchten zu lassen. Johnny ist von der Art seines Bosses unglaublich angetan und sieht in seiner Position als Jokers "neuer rechten Hand" endlich die Chance ein Jemand zu werden. Gar nicht erfreut über das Wiederauftauchen des Killerclowns ist der gute alte Harvey Dent, alias Two-Face, der sich momentan in eine hohe Position in Gothams Verbrecherkreisen befindet und sich diese nur ungern wieder abnehmen lassen möchte. Deswegen versucht er Johnny auf seine Seite zu ziehen. Der zieht es aber erst mal vor weiter bei seinem grinsenden Herrn und Meister zu bleiben, auch wenn er so langsam ahnt das er sich auf einen Abgrund hin bewegt und man, auch wenn man sich zu Jokers engeren Vertrauten zählen darf, niemals seines Lebens sicher sein kann. Immer mehr muss er erkennen wie unglaublich brutal und wahnsinnig sein Boss wirklich ist und niemand in dessen Seele blicken kann, egal wie nahe man ihm steht.
Ich könnte natürlich die Geschichte jetzt komplett erzählen und euch jedes noch so kleine Detail beschreiben, aber das nimmt euch die Spannung und mir verschafft es nur Blasen an den Fingern. Wie hat mir das Comic an sich als eingefleischten Joker Fan denn gefallen? Ich habe es bisher 2 mal gelesen und man ändert seine Meinung ja noch nach Jahren über diverse Werke… sei es nun Film, Buch, Computerspiel oder Comic. Momentan sieht meine Meinung wie folgt aus:
Es hat mich gut unterhalten.
HA! Habt ihr jetzt einen euphorischen Begeisterungssturm erwartet oder einen absoluten zerschmetternden Verriss?? Ich kann nur sagen: Ich kann den ganzen Meinungen die ich weiter oben erwähnte irgendwie fast allen zustimmen. Azzarello hat hier nach 'Lex Luthor: Man of Steel' tatsächlich wieder eine wirklich spannende Geschichte abgeliefert, die man gerne in einem Stück und nicht quälend über die Tage verteilt lesen möchte. Bermejo´s Zeichnungen sind mal wieder erstklassig und der Joker wirkt wirklich in manchen Panels als hätte durchaus Heath Ledger Pate gestanden. Bei all den Geschichten die momentan mit dem Clown (aufgrund seiner in die Höhe geschossenen neuen Popularität), veröffentlicht wurden, sticht dieses Werk natürlich besonders hervor. Zeigt es doch einen Joker der wirklich wie aus der realistischen Filmwelt von Nolan agiert. Keine mit Säure gefüllten Spritzblumen, keine Handbuzzer die einen bis auf die Knochen verkohlen, kein tödliches Joker Gas. Seine Waffen sind schrecklich natürlich. Messer, Pistolen, Rasierklingen, zerbrochene Flaschen…. Und das ist für viele eingefleischte Joker Fans ein verständlicher Kritikpunkt. Natürlich ist der Charakter des Clowns unglaublich facettenreich und man kann ihn immer wieder anders interpretieren, aber hier haben wir einen Joker der durchaus sehr austauschbar wirkt. Er ist ein Junkie der Koks schnüffelt und Pillen schluckt, ein Gangster der Territorien zurück erobert, ein austickender Psychopath und ein Vergewaltiger! Eigentlich viele Aspekte die man fast jedem anderen üblichen Bösewicht und 08/15 Verbrecher zuordnen kann. Die Geschichte an sich ist auch nicht wirklich originell oder gar mit unglaublichen Wendungen gestrickt. Das Johnny Frost mit seinem Traum, einer der ganz Großen an Jokers Seite werden zu können scheitern wird, das ahnt man schon im Vorfeld. Aber es ist halt die Art wie es erzählt wird und das macht Azzarello richtig gut und interessant. Der Zeichenstil trägt natürlich ebenfalls massig dazu bei. Das man sich in einer realistischeren Welt bewegt als in anderen Batman Comics merkt man auch am Erscheinen von Killer Croc. Er wirkt weniger wie ein menschliches Reptil als wie ein Pimp mit einem kleinen Hautproblem. Fast wie Michael Clarke Duncan mit ein wenig Schuppen. Mir gefällt die Beziehung zwischen ihm und Joker sehr gut. Beide mögen sich auf die eine oder andere Weise. Croc findet Jokers bizzaren Humor witzig und Joker wiederum hat Croc gern um sich weil der ihn komisch findet und weil er neben ihm gut aussieht. Auch eine Art um neben dem Grinseclown zu überleben. Kommen wir nun zu Harley Quinn. Ihr Auftreten sorgte unter Fans auch für einigen Gesprächsstoff. Verabschiedet euch von Harley Quinn so wie ihr sie kennt. Vergesst ihr quirliges Verhalten, ihr ständiges Buhlen um Annerkennung und nervtötendes Plappermaul. Diese Harley hier ist nämlich so gesprächig wie ein Stück Mozzarella. Sie wirkt eiskalt, gefühllos, fast ohne Seele und bringt nicht eine Silbe hervor. Für jeden Harley Quinn Fan sicher eine absolute Enttäuschung. Ich persönlich bin (bis auf ihre Animated Version) kein großer Fan von ihr. Sie wirkte mit ihrer schon slapstickhaften nervigen Art immer wie ein Fremdkörper im Batman Universum und noch deplazierter würde es in diesem knallharten Comic wirken. Azzarello hatte da eine wirklich gute Idee. Harley wird in diesem Comic von Joker, anders als sonst, kein einziges Mal mies behandelt. Er verachtet sie nicht, er schlägt sie nicht…..sie gehört zu ihm. Sie ist fast so was wie eine Muse und die einzige die sehen darf wie es wohl wirklich in ihm aussieht, denn Johnny erhascht einen Blick auf einen weinenden Joker der seine Arme fest um eine halbnackte Harley presst und seinen Emotionen freien Lauf lässt. Auch hier wirkt sie kalt und seelenlos. Sie spendet ihm keinen Trost oder hat mitfühlende Worte für ihn. Sie bleibt stumm und lässt ihn weinen. Ich glaube, nur so kann Harley (zumindest in den realitätsnahen Comics) tatsächlich neben dem Joker bestehen. Sie tut alles für ihn, hält sich aber sonst mit Gefühlen und Worten zurück. Für mich eines der interessantesten Aspekte in diesem Comic. Was soll ich nun für einen Fazit ziehen für euch? Sollt ihr euch das Comic kaufen? Hölle, aber ja doch. Es ist keineswegs ein schlechtes Werk, im Gegenteil! Werden Joker Fans zufrieden damit sein? Njjjaaaeiin….das ist schwer zu sagen. Wer den Joker als schwarzhumorigen Sprücheklopfer mit seinen Gimmicks liebt und auch nur diese Seite an ihm anerkennt, dem rate ich von diesem Comic sofort ab. Wer aber für eine Version schwärmt wie sie schon Nolan für 'The Dark Knight' konzipierte, der ist hier gut beraten. (Das dürften zur Zeit viele Fans sein) Azzarellos Joker ist nämlich noch viel grausamer und psychopathischer angelegt als die Heath Ledger Version. Ich werde dieses Heft sicher noch einige Male lesen. Aber auch ich bin mit meiner Meinung noch hin und her gerissen ob ich tatsächlich ein Werk in den Händen halte das man im gleichen Atemzug mit 'The Killing Joke' nennen darf.
Details Enthält: US-Joker Autor: Brian Azzarello Zeichner: Lee Bermejo Tusche: Mick Gray, Lee Bermejo 124 Seiten, farbig, Preis: SC 16,95 Euro / HC 25,00 EURO Übersetzer: Steve Kups Panini/DC Comics
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