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DC Premium #32:
Batman: Imperfekt
 Batman: Imperfekt | Es ist das erste Jahr, in dem Bruce Wayne als Batman aktiv ist und auch die Geschehnisse von Wayne Enterprises in seine Hände genommen hat. Damit das Unternehmen auch weiterhin genügend Geld für sein Zweitleben als Batman abwirft, müssen bei den Tochterunternehmen Arbeitsplätze abgebaut werden. Von diesen Einsparungen betroffen ist Ted Krosby, ein bis dahin unscheinbarer Durchschnittsbürger, der allerdings seit Kurzem über das "Zweite Gesicht" verfügt. Diese Gabe empfindet er mehr und mehr als Fluch, da er nur Tod und Schrecken erblickt und dadurch seine labile Psyche noch mehr Schaden nimmt. Allein und ohne ein Ziel vor Augen schließt sich Ted dem Schurken Lance und seiner Bande an, die sich seine Fähigkeiten gewaltsam zu eigen machen.
Bei einem Einbruch in Teds alte Arbeitsstätte wird die Bande von Batman überrascht. Bis auf Lance wird die gesamte Bande, darunter auch Ted Krosby, gefasst. In der Haftanstalt erreichen die Schreckensvisionen von Ted ihren Höhepunkt. Als er schließlich das Ende der Welt vorhersieht, will er dem Spuk ein Ende bereiten. Anscheinend endlich geheilt von den Zukunftsvisionen wird Ted bei der Überführung nach Arkham von Lance befreit, der noch viel mit seinem Hellseher vorhat.
Doch Ted hat sich verändert, er lässt nicht mehr mit sich herumspringen. Durch das Wissen, dass die Welt untergehen wird, sieht er keinen Sinn mehr darin, sich an Gesetze oder Regeln zu halten, und macht das, was er will. Er setzt sich gegen Lance und seine Kumpel zur Wehr. Dann macht er sich auf den Weg zu seinem Vater, der ihn und seine Mutter vor langer Zeit sitzen ließ. Ted lässt seinen Hass freien Lauf.
Meinung Autor Joe Casey und Zeichner Cully Hamner verdeutlichen, zu was jemand im Stande ist, wenn er nichts mehr zu verlieren hat und welche Auswirkungen die Zeit in jedweder Form auf ihn hat. Dabei scheut sich Zeichner Cully Hamner nicht, die Worte Caseys mit beeindruckenden und zugleich drastischen Bildern umzusetzen, was den Comic abschnittsweise zu einem Psychothriller macht.
"Batman: Imperfekt" zeigt uns aber auch die Macht, die Visionen und die Zeit haben. Übersetzer Christian Heiss hat nicht ohne Grund den Originaltitel "Tenses" mit Imperfekt übersetzt. Natürlich denkt man zuerst, dass hier ein Fehler vorliegen könnte, da Imperfekt die lateinische Bezeichnung für die erste Vergangenheitsform ist und das englische Tenses im Deutschen ja die Zeiten allgmein sind, ebenso aber auch Anspannungen bedeutet. In erster Linie ist jedoch die Vergangenheit der Faktor, der den Comic vorantreibt.
Beide Charaktere, sowohl Bruce Wayne als auch Ted Krosby, haben in der Vergangenheit, genauer in der Kindheit, ein Trauma erlitten, das sie auch in der Gegenwart noch nicht verarbeitet haben. Bei Bruce Wayne ist es der gewaltsame Tod seiner Eltern. Ted Krosby wurde von seinem Vater misshandelt, bis er und seine Mutter von ihm verlassen wurden. Das Gefühl, geliebt zu werden, blieb ihm völlig versagt. Beides wird in Träumen und Erinnerungen, welche in Grautönen gehalten sind, gezeigt.
Wie bei Bruce Wayne hat auch bei Ted die Vergangenheit einen enormen Einfluss auf den Charakter genommen und ihn geformt. Die Entlassung, mit der die Geschichte beginnt, und der Tod der Mutter, sind weitere Verluste für Ted Krosby und lassen ihn bemitleidenswert erscheinen.
Eine traurige Gestalt, die sich in der heutigen Zeit jeder gut vorstellen kann, mit Problemen belastet, von denen wir in den Medien immer häufiger hören und sehen. Bereits auf den ersten Seiten der Geschichte wird die Beziehung zu seinem Gegenpart, Bruce Wayne, hergestellt und tritt im weiteren Verlauf immer klarer hervor. Der Leser erkennt, dass sie miteinander verbunden sind wie mit einem unsichtbaren dehnbaren Faden, der, wenn er aufs Äußerste angespannt ist, zurückschnellt und die beiden Enden, und somit die Figuren, aufeinanderprallen lässt.
Auf der ersten Seite sehen wir Bruce Wayne, wie er Hanteln stemmt, während Ted Krosby aus einem Alptraum erwacht. Noch ist nicht erkennbar, was diese Darstellung bedeuten soll. Erst beim Weiterlesen merkt man, dass eine Verbindung zwischen dem Millionär, Playboy und Konzernchef und dem Mann, der alles verloren hat, besteht:
Zuerst die Entlassung Teds aufgrund der firmenpolitischen Entscheidung Bruce Waynes. Der Faden dehnt sich, und es werden die jeweiligen Wege und Erlebnisse erzählt, bis er das zweite Mal zurückschnellt, was bei dem Überfall, den Batman vereiteln kann und bei dem er Ted niederschlägt, der Fall ist. Der Faden spannt sich wieder, bis Bruce Wayne, aufgrund eines Fernsehberichts, Ted in der Haftanstalt besucht. Wieder gehen die Figuren ihre eigenen Wege, bis sie das letzte Mal aufeinanderprallen. Bruce, in der Maske des Batman, stoppt Ted endgültig. Die Verbindung bzw. der Faden wird getrennt und auf der letzten Seite sehen wir nur noch Bruce Wayne, wieder Hanteln stemmend, in der Bathöhle.
Wir erleben Bruce Wayne diesmal nicht als den Menschenfreund und Wohltäter, zu dem er erst noch wird, sondern als aufstrebenden jungen Firmenchef, der seine Vision von einem starken Unternehmen, das seine Ziele und Projekte als Dunkler Ritter verwirklichen soll, durchsetzen will.
Dabei nimmt er entgegen den Ratschlägen seines Aufsichtsrats und seines Finanzberaters die Entlassungen von Menschen in Kauf. Für ihn ist wichtig, dass sein Unternehmen lebt und in einer Rezession auch überlebt.
In der Einsamkeit sucht Bruce nach Lösungen für seine Probleme und Antworten auf seine Fragen. Ob beim Krafttraining, im Büro seiner Firma oder auf dem Wayne-Anwesen, jede dieser Szenen zeigt ihn allein und in der Stille. Teilweise erkennt man, wie er mit sich selbst ringt und seine Entscheidungen in Frage stellt.
Die Darstellung Batmans ist der aus Frank Millers "Year One" angelehnt. Hart, unerschrocken und ohne Gnade geht er gegen das Verbrechen vor. Wahrscheinlich inspiriert durch den Kinofilm von Tim Burton, haben ihm Casey und Hamner ebenfalls eine "Grappling Gun", ähnlich der, mit der Michael Keaton auf Verbrecherjagd ging, gegeben. Selbst eine Szene, in dem Batman mit dem Gerät auf einen Gangster schießt und ihn an der Schulter trifft, wurde in den Comic übernommen, was sehr untypisch ist, da Batman normalerweise dem Kodex folgt, seine Gegner nicht in Lebensgefahr zu bringen.
Erwähnenswert ist auch, dass der erste Einsatz des Batplanes mit in die Geschichte einfloss, allerdings nicht im endgültigen Bat-Design, sondern als Kampfjet. Auch das Batmobile darf nicht fehlen, und wird als schnittiger Dragster gezeigt, für das Batman auch ein Lob von einem Jungen bekommt, was er überraschenderweise mit einem Lächeln quittiert.
Im Gegensatz zu anderen Geschichten taucht diesmal kein Alfred auf. Es wird zwar von einem Butler gesprochen, aber der sonst als das Gewissen von Bruce Wayne oder Batman fungierende Charakter fehlt. Diesen Part übernimmt stattdessen Jack Black, ein Reporter vom Fernsehen. Dieser wird als für seinen Berufsstand typisch gezeigt. Immer auf der Suche nach einer Story, ohne Skrupel und Rücksicht auf die Privatsphäre des Einzelnen. In den Treffen mit Bruce versucht er, dessen Schutzmauer zu knacken, um hinter die Absichten bzw. das Geheimnis des Industriellen zu gelangen.
Für seine Story gibt Black sogar etwas von seiner eigenen Vergangenheit preis: seine Eltern wollten sich nach seinem Coming-Out von ihm distanzieren. Er stellt sich hier mit Wayne auf eine Stufe, denn auch er verlor seine Eltern. Doch selbst der fast schon freundschaftliche Rat, Bruce solle Hilfe bei seinem Psycho-Therapeuten suchen, bringt ihn keinen Schritt näher an den verschlossenen Menschen heran.
Erst nachdem er Ted Krosby besiegte und darin erkennt, dass er sich öffnen muss, um nicht innerlich an seinem Frust zu sterben, ist Bruce bereit, ein Interview zu geben und seine Absichten zu erklären.
Während Wayne versucht, seine Vision zu verwirklichen, muss Krosby die ihm gesandten "Schreckensbilder" der Zukunft ertragen. Wie die Szenen der Vergangenheit werden die Bilder der Zukunft ebenfalls in einem anderen Farbton dargestellt, um sich von der Gegenwart zu unterscheiden. In einem schwachen Feuerrot gehalten, wird dem Leser gezeigt, was Ted zu Gesicht bekommt. Nur einmal wird auf diese Darstellung verzichtet: als es um die Vision von Teds eigenen Tod geht, die er am Grab seiner Mutter hat. Hier wird mit normalen Farben gearbeitet, um sie von den restlichen abzuheben.
Die Steigerung der Visionen wird in Etappen gezeigt: erst der Tod von einzelnen Personen, die Teds Geist sehr belasten, dann die Vision von einem Polizeistaat, bis hin zum Untergang der Welt. Bis dorthin hat es Ted ausgehalten, die Bilder der Zukunft zu betrachten, doch dann versucht er im wahrsten Sinne des Wortes, sich die Gabe aus dem Kopf zu schlagen. Interessanter Weise hat Ted danach in der Mitte der Stirn zwei überkreuzte Pflaster. In der Mythologie hatten die Menschen mit dem zweiten Gesicht an dieser Stelle ein drittes Auge, das in die Zukunft blicken konnte.
Nun, da dieses imaginäre Auge verklebt ist, sieht Ted nichts mehr davon und meint, geheilt zu sein. Allerdings hat das, was er bis dahin sah, seinen Verstand verändert. In eingehenden Monologen und Aussagen strahlt Ted nun eine Gefahr aus, die selbst Hannibal Lector neidisch werden lassen könnte. Es findet eine sichtbare Veränderung des Charakters statt, der nun nichts mehr zu verlieren hat. Cully Hamner hat den Charakter nicht attraktiv, sondern fast schon ekelerregend gezeichnet. Er sieht aus, wie er auf seine Umwelt wirkt: hässlich, böse, gefährlich.
Ab diesem Zeitpunkt setzt sich Ted gegen seine Unterdrücker zur Wehr. Selbst der Kannibalismus, den er nun praktiziert, wurde von Hamner ausdrucksstark und erschreckend gezeichnet.
Das Finale, das stattfindet, nachdem Ted sich von seinem leiblichen Peiniger befreite und sich das zweite Mal Batman gegenübersieht, wird wohl zu einem der unvergesslichen Endkämpfe der Batman Comics zählen, da eine schockierenden Kälte von beiden Figuren ausgestrahlt wird. Ebenso wie Batman maskiert sich nun auch Ted: er schlüpft in die Haut seines Vaters und stellt somit das Schrecklichste dar, was er sich vorstellen kann.
Die Mischung aus Action und Horror/Psycho verleihen dem Comic eine Wendung innerhalb der Handlung, die man nicht erwartet hatte. Caseys Darstellung von Ted Krosby, der von dem Biedermann zum menschfressenden Psychopathen mutiert, ist spannend und abschreckend zugleich. Allein das Lesen ohne die Zeichnungen Cully Hamners würden ausreichen, um den Comic ein zweites und drittes Mal zu lesen, nur um alles verarbeiten zu können.
Cully Hamners Interpretation der Figuren ist einfach, in klaren Linien und nicht detailverliebt, gehalten. Bruce Wayne wird mit einem markanten Kinn und einer würdigenden Ausstrahlung gezeichnet, während Ted Krosby sich mehr und mehr in ein menschliches Scheusal verwandelt.
Die Bilder unterstützen die düstere Handlung und zeigen selbst das, wo der Verstand beim Lesen nichts mehr zeigen würde. Für schwache Gemüter wird es an der ein oder anderen Stelle zu einer Pause kommen.
Dieser Comic erhebt nicht den Anspruch, schön zu sein. Im Gegenteil, oftmals wirkt er abstoßend und verschroben durch seine Thematik, aber wer gerne einmal einen Batman-Comic ohne Superschurken lesen möchte und auch keine Angst vor einer Mal krasser Darstellung der Geschehnisse hat, sollte sich diesen Comic kaufen.
[Peter] Details: DC Premium #32 Story: Joe Casey Zeichnungen: Cully Hamner Tusche: Dexter Vines, Rodney Ramos 132 Seiten, 15.50/20.50 Euro (SC/HC) Panini Comics
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