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DC Monster Edition:
Batgirl: Das erste Jahr
 Batgirl: Das erste Jahr | Ursprünglich wollte Barbara Gordon zur Polizeiakademie, um ihre Talente in den Dienst des Gesetzes zu stellen. Allerdings erfüllt sie die Mindestgröße für den Polizeidienst nicht und wird von der Akademie abgelehnt. Aus dem gleichen Grund wird sie auch vom FBI für den aktiven Dienst abgelehnt. Von ihrem Vater erhält sie für ihr Ziel, Polizistin zu werden, keine Hilfe, und auch der Versuch, sich für die JSA als nützlich zu erweisen, wird nur mit Spott von den Superhelden belohnt.
Um ihrem Vater zu zeigen, wie sehr er sie unterschätzt, schneidert sie sich ein Batman-Kostüm für einen Wohltätigkeits-Maskenball. Doch es soll anderes kommen, als sie denkt: Killer Moth überfällt den Ball und so ergreift Barbara die Initiative und stellt sich dem maskierten Gauner und seiner Gang. Ihr gelingt es, Killer Moth in die Flucht zu schlagen. Gleichzeitig findet sie gefallen an dem Gedanken, auf diese Weise doch noch an ihr Ziel zu kommen.
Mit Eifer verbessert sie das eigene Kostüm und nimmt den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham City auf. Von der Presse schon Batgirl genannt, entgeht auch Batman und Robin nicht, dass sich in Gotham ein neuer Verbrechensbekämpfer befindet. Sie fangen Batgirl ab und unterziehen sie einem Test, den sie allerdings in den Augen des Dunklen Ritters nicht besteht. Unterstützung findet sie anscheinend nur von Robin. Ausgestattet mit neuem Kampfgürtel und eigenem Batbike setzt Barbara ihre Arbeit fort.
Indessen geht der verzweifelte Killer Moth eine Symbiose mit dem Feuerteufel Firefly ein. Beide haben einen Narren an Batgirl gefressen und setzen alles daran, sie zu vernichten. Allerdings müssen sie einsehen, dass die weibliche Fledermaus ihnen immer einen Schritt voraus ist.
Neben dem Kampf gegen Killer Moth und Firefly, hat Barbara aber noch ihren Vater auf den Fersen, der versucht hinter die Identität von Batgirl zu kommen, und Batman, der anscheinend die einzige Fledermaus in Gotham bleiben will.
Meinung Mit der neunteiligen Miniserie gelang dem Kreativteam eine schöne Neuinterpretation zu Batgirls Ursprung. Dabei legen Chuck Dixon und Scott Beatty Wert darauf, die Gedanken und Emotionen von Barbara Gordon dem Leser näher zu bringen, um den Charakter Tiefe zu verleihen und ihn glaubwürdig darzustellen.
Barbara Gordon wird uns als eine beruflich unterforderte junge Frau gezeigt, die ihre Talente und Fähigkeiten liebend gerne der Polizei oder dem FBI zur Verfügung stellen würde, anstatt als Bibliotheksangestellte zu arbeiten. Leider stößt sie schon bei der Bewerbung an bürokratische Grenzen, die sich nicht überwinden lassen. Auf die Hilfe von ihrem Vater kann sie nicht hoffen, da dieser strikt dagegen ist, dass Barbara den Polizeidienst antritt.
Aber auch sonst scheint die junge Frau unausgelastet zu sein und sucht nach dem besonderen "Kick". Nicht umsonst wendet sie sich hilfesuchend an Black Canary und macht mit einer unkonventionellen Bewerbung auf sich aufmerksam, um ihre Fähigkeiten der JSA anzubieten. Doch auch hier gibt es nur eine Ablehnung gespickt mit Spott, was Barbara in eine tiefe Frustration stößt.
Ein Ventil, um ihre Wut und Frustration abzulassen, findet sie in dem Maskenball, zu dem sie ihr Vater überreden kann mitzukommen. Das Kostüm, für das sie sich entscheidet, sollte mehr als Streich für ihren Vater als ihre Bestimmung gedacht sein. Schließlich will sie ihm zeigen, dass er sie unterschätzt. Gerade diese Szenen, in denen sie ihr erstes Kostüm anfertigt, bleiben unvergesslich. Barbara hat Batman schon einmal in Natura gesehen und weiß daher, wie das Kostüm aussieht. Dem Dress aus dem Kostümverleih kann sie deshalb wenig Glaubwürdigkeit abgewinnen und setzt sich selbst an die Nähmaschine. Gerade die Gedanken von ihr wie "Naht für Naht, bis das Kostüm einen zu dem macht, was man wird?" vervollständigen die Bilder und lassen diesen eigentlich besonderen Ritus der Helden etwas humorvoller erscheinen. Auch später in der Geschichte, als sie die Verbesserungen an dem Kostüm vornimmt, fragt sie sich, ob die Superhelden reich sein müssen, um sich so eine Ausrüstung leisten zu können.
Besonders der Humor kommt bei dieser Story nicht zu kurz. Running Gags und witzige Dialoge oder Szenerien lassen den Comic nicht allzu ernst rüber kommen. Dabei wird aber immer darauf geachtet, dass der Humor die Dramatik nicht übertrumpft und die Spannung erhalten bleibt.
Das Verhalten von Jim Gordon, der den Gerüchten zufolge bald zum Polizeichef ernannt wird, ist nachvollziehbar. Anfangs noch gelassen, nimmt er seine Tochter nicht ernst und stellt seinen Standpunkt unwiderruflich da. Er möchte sie nicht im aktiven Polizeidienst sehen. Die Angst, seine Tochter zu verlieren, ist sehr groß, was innerhalb der Geschichte mehrmals zum Ausdruck gebracht wird.
Die Momente, in denen Gordon Verdacht hegt, wer unter der Maske von Batgirl steckt, spiegeln die Angst und Wut wieder. Das Gefühl, dass er vermutet oder schon weiß, wer Batgirl tatsächlich ist, begleitet den Leser und Barbara an mehreren Stellen. Erst als er Batgirl und Barbara gleichzeitig sieht, glaubt er nicht mehr daran, dass seine eigene Tochter unter der Maske der Fledermaus ist.
Batman distanziert sich Anfangs von der neuen Verbrechensbekämpferin und weist sie an, sich aus den Geschäften herauszuhalten, was allerdings nicht viel bringt. Schließlich kann Batman ihr nicht verbieten, für das Gute zu kämpfen. Auch die Unterstützung mit den richtigen Utensilien, wie Seil, Batarang oder Batbike, für den Kampf gegen das Verbrechen sind eigentlich mehr gedacht, um sie am Leben zu erhalten, bis sie zur Vernunft kommt. Als er jedoch merkt, dass Barbara die richtige Einstellung für den Job hat und Killer Moth und Firefly bezwingt, weiht er sie in das Geheimnis ein und macht sie zum Teammitglied.
Robin hingegen ist gleich Feuer und Flamme für den Rotschopf, kein Wunder, denn er ist in Barbara Gordon verliebt und möchte am liebsten so oft wie möglich in ihrer Nähe sein. Wahrscheinlich ist das auch ein Mitgrund, weshalb er ihr im Auftrag von Batman die ganzen Spielereien zukommen lässt. Alfreds Auftritte sind wie immer kurz, dafür hat man ihm aber einige höchst sarkastische Texte geschrieben, die unvergesslich bleiben: Als Batman Robin und Batgirl über den Monitor beobachtet, stellt Alfred nüchtern fest, dass nun auch Voyeurismus auf die Liste der persönlichen Psychosen gesetzt werden kann.
Was sofort auffällt ist, dass sowohl Alfred wie auch Com. Gordon strikt etwas gegen das Einbeziehen des Mädchens haben. Sie dulden zwar Robin als Partner von Batman, sprechen sich aber gegen die Rekrutierung neuer Vigilanten aus, um nicht noch eine Existenz zu gefährden.
Killer Moth und Firefly werden ebenfalls mit ihrer eigenen Ursprungsgeschichte vorgestellt. Killer Moth alias Cameron van Cleer wollte als bezahlter Beschützer der Unterwelt Karriere machen. Mit eigenem Mothmobile, Mothcopter und seinem Versteck, das er den Kokon nennt, wäre er der Gegenpart zu Batman gewesen. Hätte ihn Barbara auf dem Maskenball nicht die Show gestohlen und ihn in seine Grenzen verwiesen, wäre vielleicht etwas aus der Geschäftsidee geworden. Leider fehlte ihm das notwendige Geld, seine Schulden beim Finanzamt und einem Mobboss zu bezahlen, was ihm das Selbstvertrauen raubte und ihn in die Partnerschaft mit Firefly trieb.
Garfield Lynns hingegen ist nur auf Zerstörung aus. Seine Liebe zum Feuer wird an mehreren Stellen durch Text und Zeichnung verdeutlicht. Als die Stuntexplosion, für die er verantwortlich ist, missglückt sieht man ihn lächelnd zusehen, wie das Feuer die Schauspielerin verbrennt. Als er dann auch noch fragt, ob er das Filmmaterial vom Unfall haben könnte, wird er schließlich entlassen. Kurz darauf trifft er auf den entmutigten Cameron, der ihm von seiner Idee erzählt und wie Batgirl alles zunichte machte. Von diesem Zeitpunkt an bildet er in der Verkleidung der Firefly ein Duo mit Killer Moth.
Der dominierende Part in dieser Beziehung ist eindeutig Firefly. Er entscheidet, was und wie durchgezogen wird, wodurch der schwache Charakter von Cameron van Cleer verdeutlicht wird. Es kommt einem vor, als wäre Killer Moth teilweise selbst nicht klar, weshalb er sich überhaupt mit dem Pyromanen eingelassen hat, da dieser einen ganz anderen Weg einschlägt als den, den Cameron eigentlich gehen wollte.
Neben dem Gastauftritt der JSA geben sich auch noch einige andere DC-Charaktere ein Stelldichein. Black Canary ist in einem Kapitel als Partner von Batgirl dabei und erntet am Ende den Ruhm, was an Barbaras Ego etwas kratzt. Jason Bard, der bereits in US-Detective Comic #392 aus dem Jahr 1969 im DC Universum als Privatdetektiv eingeführt wurde und in Barbara verliebt ist, ist in einer nicht unwichtigen Nebenrolle dabei. Dank Bard, der hier noch Officer beim GCPD ist, entgeht James Gordon einem Bombenanschlag. Bei der anschließenden Entführung von Gordon wird er durch einen Knieschuss verletzt. Für den Polizeidienst untauglich, wird er deshalb zum Privatdetektiv.
Selbstverständlich haben die Autoren es sich nicht nehmen lassen, auch die Zukunft von Barbara Gordon in die Handlung einzubauen. Am Ende der Szene, wo Wildcat Babs sozusagen eine Ablehnung für die JSA gibt, taucht Dr. Fate auf und teilt seinem Teamkameraden mit, dass Barbaras Schicksal zwischen Triumph und Tragödie schwankt. Die Beziehung von Dick und Barbara nimmt auch schon ihren Anfang. Die Romantik kommt hier zu ihrem Höhepunkt, als er sie überraschenderweise bei einem gemeinsamen Einsatz küsst und Babs davon nicht negativ beeindruckt ist.
Die wohl größte Aussicht auf ihr Schicksal haben sich Dixon und Beatty für den Schluss aufgehoben. Bei Batmans Abschlusstest, bevor er sie in sein Team aufnimmt, lässt er sie noch einmal durch den Simulator gehen und konfrontiert sie mit Dummypuppen seiner Schurken. Sie bezwingt alle, bis der Joker auftaucht und sie sich selbst fragt "Wenn das meine Zukunft ist?", und beantwortet ihre Frage mit "Dann habe ich keine Angst", bevor sie die Puppe davon kickt. Eine Szene, die einem wirklich den Atem anhalten lässt und auch beweist, dass sich jemand beim Schreiben der Story Gedanken machte.
Auch ansonsten merkt man, dass Dixon und Beatty sich mit der Figur der Barbara Gordon bzw. Batgirl auseinandersetzten. Barbara wirkt charmant, kess und vor allem einfallsreich. In auswegslosen Situationen beweist sie einen kühlen Kopf. Auch ändert sie nach ihrem ersten Auftritt beim Maskenball gleich ihr Kostüm zum Vorteil ab. Hatte sie anfangs noch Stiefel mit Absätzen, wie das Batgirl aus der TV-Serie, trägt sie danach Stiefel mit einer Gummisohle und Profil. Sie hinterlässt keine Spuren, die auf ihre Identität als Batgirl hinweisen und ihr gelingt es immer, wenn auch nur knapp, ein Alibi zu haben, wenn Batgirl in Aktion ist. Auch die Szenen, in denen sie aufgeregt ist oder einen Adrenalinrausch hat, wirken echt. Der Charakter wirkt auf den Leser nahe und man kommt nicht davon ab dem Mädel die Daumen zu drücken, dass sie ihr Abenteuer meistert.
Die Zeichnungen von Marcos Martin wirken lebendig und geben die Emotionen der Charaktere wieder. Die Figuren sind nicht so muskulös oder durchtrainiert gezeichnet wie von Jim Lee oder Michael Turner, wirken jedoch real und sind mehr auf die Gesichter und Situationen ausgerichtet. Barbaras freche Art spiegelt sich in den Gesichtszügen wieder und die Angst oder Deprimiertheit von Cameron van Cleer wirken ebenfalls echt. Martin hat die Schauplätze auch nicht mit zuviel Details beladen, so dass man sich wirklich auf das Wichtige konzentriert und nicht abgelenkt wird. Tusche und Farben unterstreichen die Zeichnungen und verleihen dem Comic eine Dynamik und Lebendigkeit, die den Lesespaß vergrößern.
Mit 18,00 Euro schlägt die Monster Edition zwar zu Buche, ist aber jeden Cent der 212 Seiten wert. Der Comic ist gut gebunden und auch ein öfteres Lesen merkt man dem Band nicht an. Neben den neun Kapiteln wurden auch die Cover der Einzelhefte mit in den Band genommen und können am Ende betrachtet werden.
Für Fans, die Barbara Gordons Abenteuer als Batgirl nicht mehr richtig miterleben konnten, ist dieser Band sicherlich eine schöne Wiederauferstehung einer sympathischen Verbrechensbekämpferin.
Details: DC Monster Edition beinhaltet US Batgirl: Year One 1-9 Erschienen: April 2004 Story: Scott Beatty & Chuck Dixon Zeichnungen: Marcos Martin Tusche: Alvaro Lopez 208 Seiten, EURO 18,00 Panini Comics
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