|
DC Monster Edition:
Joker: Wer zuletzt lacht
[Shred] Mal davon abgesehen, dass sogar ich als Joker-Fan erst mal überlegen musste, ob ich mir diesen schweineteuren Monsterband zulegen soll, war ich auch wegen der Geschichte skeptisch, dass Batmans Nemesis seinen Terror quer durch das DC Universum verbreitet. Ist dies nicht vielleicht etwas zuviel des Guten, möchte man sich da als Killer-Clown-Fan fragen?
Aber bevor ich eine Kritik vom Stapel lasse, ohne überhaupt zu erwähnen, um was es beim besagten Band überhaupt geht, erzähle ich doch lieber von Anfang an, was der Joker hier mal wieder für ein Psycho-Ei legt...
Nachdem es so aussieht, als sei selbst die streng abgesicherte Heilanstalt Arkham gar kein Hindernis mehr für den Clown, wird dieser in das berüchtigte "Loch" verfrachtet. Das "Loch" hält sozusagen die Creme de la Creme der Schurkenwelt als seine Gäste. Alle Außerirdischen, Mutanten und Metawesen, die krumme Gedanken hegen und gerne mal auf den Putz hauen, sitzen hier ihre Strafe ab und werden mit den - angeblich - perfektesten Sicherheitsvorkehrungen bewacht, die es momentan in der Comicwelt zu kaufen gibt.
Nun also hat der Joker hier sein neues Heim gefunden und scheint gar verzückt über die vielen neuen Freunde, die alle nicht nur richtig schön bösartig sind, sondern auch über spezielle Fähigkeiten verfügen. Hier trifft er z.B. auf Chiller, der jede Gestalt annehmen kann und sich bereit erklärt, für eine Weile als Joker die Wachen zu verwirren. Natürlich nur so zum Spaß. Nightwing versucht währenddessen, seine Freundin Babs, alias Oracle, für eine Weile auf andere Gedanken zu bringen, da sie ihre ganze Zeit damit verbringt, den Clown auf Schritt und Tritt per Überwachungskamera zu... naja... überwachen. Just in dem Moment, wo die beiden sich nun einen schönen Tag machen und darüber debattieren, wie schön doch die Welt ohne Clowns wäre, wird Joker mit einer schrecklichen Nachricht konfrontiert. Er soll eine Karriere bei Marvel Comics starten - hahaha – nein, Blödsinn! In seinem Kopf hat sich ein Tumor festgesetzt und die Diagnose ist eindeutig. Für den Killerclown wird bald der letzte Vorhang fallen.
Zwar hoffen die Ärzte und Wärter des Gefängnisses, dass er nun Reue zeigen wird und über sein Leben nachdenkt, doch hält diese Hoffnung gerade mal 5 Minuten an. In der Mensa des "Lochs" lässt er kurzerhand einen Streit vom Zaun brechen, bei dem es ordentlich drunter und drüber geht. Die Wächter werden nicht Herr der Lage und schon bricht die Hölle los in dem futuristischen Gefängnis.
In dem ganzen Tumult überredet der Clown einige Insassen, den guten alten Meister des Magnetismus Magneto - äh - Dr. Polaris zu befreien, damit der wiederum mit seiner Kraft die elektromagnetischen Kragen der Gefangenen sprengt, die verhindern, dass sie ihre Kräfte einsetzen können. Doch anders als gedacht, lag es nicht nur in Jokers Absicht, die Gefangenen des Lochs zu befreien, das wäre doch für einen Spaßmacher seines Kalibers 'ne ziemlich öde Vorstellung. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Nachdem die Kragen nun ausfallen, verbreitet sich Gas, der so genannte Metagen Negator, eine Substanz, die ebenfalls verhindern soll, dass die Metamenschen ihre Kräfte einsetzen. Joker setzte diesem Gas einige Komponenten hinzu, die damit eine nur allzu bekannte Reaktion hervorruft: Die Insassen werden "jokerisiert"!
Nun beginnt die große Flucht, wobei der Schurke Black Mass durch das Zusammenklatschen seiner Hände ein schwarzes Loch erzeugt, welches das Gefängnis einsaugt. Das "Loch" fällt ins Loch sozusagen. Joker und die anderen flüchten indes per Teleporter auf die Osterinsel.
Von dort aus schickt er seine Verbündeten los, um die Welt ins Chaos zu stürzen, wobei einige den Auftrag erhalten, mit der Jokerisierung weiterzumachen, so auch beispielweise in Arkham. Besonders der rassistische Rancor scheint von dem ganzen Chaos restlos begeistert und macht den Butler für den Clown. Jokers Plan ist simpel. Bevor er geht, will er unbedingt so viele Leute wie möglich vorausschicken. Wobei er Kanadier nicht mitzählt (verdammt böse der Witz, aber ich konnte mir trotzdem ein Lachen nicht verkneifen, ich Arsch, ich!).
Barbara macht sich und auch Dick schwere Vorwürfe, dass sie an diesem Tag nicht da waren, um den Joker zu überwachen, und setzt alles dran, den Clown endlich wieder einzufangen. Die Vorwürfe verstehe ich zwar rein gar nicht, da ich nicht den Lebenssinn dieser Frau verstehe: 24 Stunden Big Sister für den Joker zu spielen - aber nun ja, jeder hat so seine Hobbies. Dabei bekommt sie unerwartet Hilfe von Jokers Gespielin Harley Quinn. Die gute Harl befindet sich nämlich in höchster Not, hat doch der böse Clown einige Schergen entsendet, um die holde Maid zu fangen, damit er mit ihr einen Erben zeugen kann.
Zusammen mit Dr. Langstorm, dem bekannten Man Bat, entwickelt sie nun ein Gegengift, um die Schurken wieder zurück zu verwandeln.
Oracle schickt währenddessen Robin los, um in Arkham nach dem Rechten zu sehen. Ob es so klug ist, einen Teeny allein da hin zu schicken? Natürlich nicht, denn der gute Robin wird direkt gefangen genommen und bevor die Verrückten ihn zerreißen können, wird das Rotkehlchen von Killer Croc verschleppt. Als es so aussieht, als habe das schuppige Reptil den Knaben verputzt, rastet Nightwing aus und erklärt dem Clown endgültig den Krieg. Diesmal will auch er seinen Tod.
Joker selbst ist ein wenig sauer, immerhin wollte er Batmans Sidekick umbringen, um endlich den Hattrick zu schaffen, als er jedoch erfährt, dass Croc Robin gefressen haben soll, fühlt er sich doch etwas erheitert. Aber da es nun Nightwing auf ihn abgesehen hat, bietet sich für ihn ja doch noch 'ne Chance, ein weiteres Mitglied der Bat-Familie platt zu machen!
Mehr will ich hier nicht verraten, da es erstens zuviel wäre und ich nicht will, dass Ihr vor dem Monitor einratzt, und zweitens soll ja auch ein wenig Spannung erhalten bleiben. Nur soviel, der gute Joker wird natürlich nicht sterben, aber das hat ja auch nicht wirklich jemand ernsthaft erwartet, oder?
Wie finde ich denn nun dieses Mega Event?
Und wie würde ich es finden wenn ich kein Joker-Fan wäre?
Letztere Frage kann ich ganz einfach beantworten: wäre ich kein Joker-Fan, hätte ich mir den Band gar nicht erst geholt, also würde diese Review hier auch gar nicht existieren.
Ich für meinen Teil wurde gut unterhalten. WER ZULETZT LACHT, oder LAST LAUGH, wie es im Original heißt, ist sicherlich kein Überflieger und wird auch kein Klassiker. Aber es ist ein hübsches Ereignis, mit Witz erzählt. Da wäre z.B. die Aktion mit Multi Man. Dieser Schurke erhält jedes Mal, wenn man ihn tötet, eine neue Fähigkeit. Joker killt den armen Kerl also so lange, bis er endlich die Fähigkeit erhält, die der Clown gebrauchen kann. Einfach zum Quietschen.
Was ich zu bemängeln habe, und das sage ICH als Joker-Fan, ist die übermächtige Darstellung des Clowns. Ich halte ihn ohne weiteres für einen der gefährlichsten Menschen im DC Universum, da sage ich nix! Aber Joker ist noch nicht mal einen ganzen Tag in diesem Super-Duper-High-Tech-Gefängnis, wo Typen wie Gorilla Grodd oder eben besagter Polaris ihr Dasein fristen, und schon weiß er genau, wie der Hase läuft und wo die Schwachstellen zu finden sind? Hier wird er mir dann doch als zu allwissend dargestellt.
Der Zeichenstil ist abwechslungsreich, da sich hier mehrere Zeichner versuchten. Grandios ist keiner, aber sie beleidigen auch nicht meine Augen. Allerdings sieht der Joker von Walter McDaniel doch ziemlich dumm aus. Die Lippen sehen aus wie aufgemalt und erzeugen selbst dann ein dummes Lächeln, wenn der Clown in Wirklichkeit 'ne saure Miene zieht. Am besten gefallen mir die Cover von Bolland, legendärer Zeichner von "The Killing Joke". Er weiß wie kein anderer, den Joker faszinierend darzustellen. Schade, dass er keine der Stories zeichnete.
Als Fazit kann man nur sagen, dass dieser Event sicher nicht die Klasse einer "Zero Hour" hat, der Vergleich wäre auch unfair. Die "anstehenden Veränderungen" in der DC Welt sind auch mehr heiße Luft und die Auflösung ist eigentlich ziemlich unbefriedigend, aber als Joker-Fan kann man getrost zugreifen, vor allem, wenn man seinen kranken Humor mag. Seine "ZU ERLEDIGEN"-Liste, die er auf der Insel zurücklässt, ist echt zum Brüllen!
Natürlich ist der Preis von 20,00 Euro ziemlich abschreckend, aber man gönnt sich ja sonst so wenig, und ich hatte nicht das Gefühl, mein Geld zum Fenster rausgeschmissen zu haben. Ein Gefühl, das ich in dieser Beziehung in letzter Zeit leider viel zu oft hatte.
Shred
DC Monster Edition: Joker - Wer zuletzt lacht Original: Joker: Last Laugh 1-6 und Last Laugh Secret Files and Origins 1 C. Dixon, S. Beatty, P. Woods, A. Pepoy Paperback, 228 Seiten, 20.00 Euro Paninicomics
|