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Batman: Harley & Ivy #3 [von 3]
 Batman: Harley & Ivy #3 | Hooray for Harleywood
Nachdem die Ladys mit einer Zombie-Wurzel wieder zurück in den Staaten sind, verstecken sie sich in einem Motel, damit Ivy die Rezeptur für ihren Wundertrank brauen kann, um endlich Gotham City zu unterwerfen.
Dabei sieht Harley im Fernsehen zufällig einen Bericht über den neuen "Harley & Ivy"-Kinofilm, der gedreht werden soll. Empört über die Auswahl der weiblichen Schauspieler, die die beiden verkörpern sollen, beschließen sie, die Tinktur aus der Zombie-Wurzel zu verwenden, um den Film zu stoppen.
Nachdem Ivy aber sieht, wie viel Geld sie mit der Produktion des Films "verdienen" kann, übernimmt sie die Produktion und benennt Harley zur neuen Regisseurin, um den Film nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Allerdings hat Harley einen großen Verschleiß an Batman-Darstellern, wodurch ihnen der wahre Batman auf die Spur kommt, um sie festzunehmen.
Ivy, die genügend Geld vom Filmbudget in ihre eigene Tasche fließen hat lassen, möchte sich endlich mit Harley absetzen, bevor Batman sie schnappen kann. Sie lässt sich aber von ihrer Freundin dazu überreden, erst noch den Film fertigzustellen, was sich als Fehler erweisen soll.
Meinung Ein überraschender dritter Teil ist es geworden. Wurde doch in den vorherigen zwei Ausgaben immer wieder daraufhingewiesen, dass Ivy mit der Zombie-Wurzel die Herrschaft über Gotham City erzwingen will, wird sie nun für andere Zwecke verwendet.
Beim Lesen fallen zwei Sachen auf: Erstens, dass Bruce Timm es zu lieben scheint, seine zwei Protagonistinnen nackt oder in Unterwäsche zu zeichnen, und zweitens, dass diese Ausgabe eine Persiflage auf die Batman-Filme ist, oder vielleicht der Versuch, mit dem Kommerz der (Batman-)Filmindustrie abzurechnen.
Nun, ersteres fällt einem auf, da in jeder der drei Ausgaben eine Szene vorkommt, in der die beiden nur mit Slip und BH bekleidet sind oder unter der Dusche stehen. Wobei Timm und Dini selbst hier auf's Detail und den unterschiedlichen Geschmack der Charaktere achten. Während Harley eher im Schlabber-Look rumhüpft, zieht Ivy Unterwäsche mit Spitzenbesatz vor.
Größeres Augenmerk sollte man aber der eigentlichen Handlung des Comics beimessen. Es werden so viele Anspielungen auf die letzten beiden Batman-Filme gemacht, dass man nur zu dem Schluss kommen kann, Timm und Dini machen ihre Witze auf Kosten von Joel Schumacher und den Produzenten.
Beide Frauen haben ursprünglich ein charaktertypisches Motiv, um nach Hollywood zu fahren: Harley will um jeden Preis verhindern, dass sie von einer Schauspielerin dargestellt wird, die ihr nicht mal im entferntesten ähnelt, wo hingegen Ivy sich an Schauspielerin und Supermodel rächen will, die für ein Parfüm warb, für das seltene Blumen sterben mussten.
Allerdings wird der Plan schlagartig geändert, als Ivy merkt, wie viel Geld man ohne weiteres bei dieser Filmproduktion beiseite schaffen kann. Hier gewinnt die Habgier wieder die Oberhand, wie es auch im wahren Showbiz nun mal so ist und aus den geplanten Zielen, der Verhinderung des Films und nicht zu vergessen, der Herrschaft über Gotham, wird nun ein schnöder Raub.
Um unbemerkt an das Geld zu kommen, muss allerdings der Film gedreht werden, womit Harley an das Steuer der Geldmaschinerie kommt. Harley erweckt die Vision der zwei Freundinnen zum Leben und lässt dafür nicht nur einen, sondern gleich bis zu fünf Batman-Darsteller auf der Strecke. Damit rächen sich die zwei Frauen sozusagen an dem Mann, der sie immer peinigte, und das nicht zu knapp.
Um die Produktion des Films dem Leser näherzubringen, holten sich Dini und Timm Inspiration bei den Batman-Filmen. So werden Batmobil, Batwing und Batboat in die Luft gesprengt oder Harleys Filmkostüm mit lauter Lämpchen ausstaffiert, ähnlich dem Jackett von Jim Carrey. Situationen, die es auch in Batman Forever gab und nun den Weg in Harley Quinns Film schafften. Einziger Unterschied zum Original: Batman geht jedes Mal drauf.
Harley lebt regelrecht für diesen Film und will ihn beenden, auch wenn Ivy Bedenken hat und sich lieber mit den gestohlenen Millionen in Sicherheit bringen will. Aber sie gibt nach, um ihrer Freundin einen Wunsch zu erfüllen, wie es Freundinnen nun einmal machen. Ivys Bedenken und Ängste werden in Form eines Albtraums, der auf Frankenstein anspielt, vom Kreativteam in die Geschichte mit eingebracht: Harley in Gestalt von Frankensteins Monster, erschaffen von Ivy selber, stürzt sie in ihr Verderben.
Ivys Traum wird dann in letzter Sekunde zur Realität. Gerade bei der Schluß-Szene, die gedreht wird, werden die zwei, in einem Harleycopter sitzend, von Batman überwältigt. Wahrscheinlich soll dies eine Anspielung auf das Finale von Batman sein, wo der Joker mit einem Helikopter fliehen wollte. Wie oben schon erwähnt, kommt Batman auf ihre Spur, als im Fernsehen nach neuen Darstellern für seine Rolle gesucht wird. Daher tarnt er sich als Schauspieler mit einer blonden Perücke und deutschen Akzent, auf den Harley total abfährt, um sich Zutritt zur Produktion zu verschaffen.
Doch was soll nun aus dem fertigen Film werden? Das Studio ist bankrott und weil es nichts mehr zu verlieren gibt, bringt man den Film auf den Markt. Bei manchen Filmen könnte man meinen, die Entscheidungen werden in Hollywood tatsächlich so getroffen.
Zum Glück für das Studio wird der Film ein Erfolg und Harley nimmt ihren Oscar, den sie gewinnt, in Begleitung einer bewaffneten Security und mit Handschellen entgegen. Die Dankesrede sprüht nur vor Witz und ist Harley pur.
Die anschließende Szene in Arkham ist auch sehr gelungen und schließt den Bogen zum ersten Teil. Harley spricht aufgedreht mit ihrem Agenten über ein neues Filmprojekt und nervt dadurch Ivy in der Nachbarzelle. Obwohl Ivy kein Wort sagt, zeigt ihr Gesichtsausdruck alles: "Womit hab ich das verdient". Letztlich endet der Comic mit einer erneuten Flucht von Poison Ivy.
Auch das Franchise kommt bei dieser Persiflage nicht ungestraft davon. Gleich zu Beginn platzen Harley und Ivy in ein Treffen zwischen dem Leiter der Lizenzvergabe und den Drehbuchautoren. Weil eine Szene im Film entfernt wurde, lässt sich nun die neue "Tiefsee-Harley"-Aktionsfigur schlechter verkaufen.
Soll das etwa bedeuten, dass in den ganzen Batman-Filmen die Szenen mit den grünen, gelben, blauen und violetten Batman-Kostümen geschnitten wurden und wir sie nie sehen werden? Natürlich nicht, Timm und Dini sind selbst Fans und geben hier nur ihre Meinung zu der teilweise übertrieben-überflüssigen Menge an Figurenvariationen zum Ausdruck.
Was vielleicht nicht sofort auffällt, ist die Tatsache, dass sich das Kreativteam in Form der Drehbuchautoren mit verewigt haben. Als kleinen Beweis haben wir für Euch den Ausschnitt aus dem Comic mit einem Foto der Beiden abgebildet.
Selbst ein alter Hollywood-Trick wurde mit in die Handlung integriert: Üblicherweise wird im Filmgeschäft der Name Alan Smithee als Regisseur angeben, wenn sich der richtige Regisseur vom Film distanzieren will. Im Comic steht auf einer eingeblendeten Filmklappe unter Regie "Alice Smithee", nachdem Harley den Regiestuhl eingenommen hat.
Letztendlich ist Paul Dini und Bruce Timm der Ausflug von Harley und Ivy ins Filmgeschäft sehr gelungen. Die versteckten Anspielungen auf die Batman-Filme geben immer wieder Anlass für ein extra Schmunzeln. Es tut gut, zu sehen, dass auch Leute, die am Batman-Franchise mitarbeiten, die Meinungen der Fans teilen und sie zum Ausdruck bringen.
Ich kann die Miniserie jedem nur ans Herz legen. Sie ist witzig, charmant und auch von den Zeichnungen eine tolle Leistung. Animated-Fans sollten zugreifen, wenn sie es nicht schon taten. Alle anderen können sich einen Vorgeschmack und erste Meinung durch die Sneak-Preview von Teil 1 verschaffen. Hoffentlich entschließt man sich bei Panini, die Serie auch hierzulande auf den Markt zu bringen. Verdient hätte sie es sich.
Details: Batman: Harley & Ivy #3 Paul Dini, Bruce Timm, Shane Glines 32 Seiten, 2,50 USD DC Comics
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