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Batman Sonderband #1:
Kaputte Stadt
 Kaputte Stadt | Die Spuren zur Aufklärung des Mordes an Elizabeth Lupo führen Batman zu Killer Croc. Dieser hat das Verbrechen nur ausgeführt und hüllt sich, was seinen Auftraggeber angeht, in Schweigen. Batman kombiniert, dass der Mord von Angel Lupo, Autoschieber und Bruder der Ermordeten, in Auftrag gegeben wurde. Margo Farr, die Freundin von Angel, führt Batman unweigerlich zu ihm. Auf der Flucht vor dem Dunklen Ritter geschieht ein weiterer Mord. Die Eltern eines Jungen werden erschossen. Nun muss sich Angel Lupo für den Mord an seiner Schwester und dem Ehepaar vor Batman verantworten.
Batman bekommt den Tipp, in Little Tokio bei einem von Lupos Lieferanten nachzufragen. Als Batman Johnny auf den Zahn fühlen will, wird er von einem unbekannten Kämpfer überwältigt. Vom Pinguin erfährt er, dass zwei neue Gesichter in Gotham City von Lupo hereingelegt wurden und nun nach ihm suchen. Nachdem Batman in aller Öffentlichkeit in der Iceberg Lounge sagt, das Angel seine Schwester tötete, sagt ihm Osswald noch, dass Scarface für diese Information viel zahlen würde. Nach einer Begegnung mit Scarface macht sich Batman auf die Suche nach den neuen Gangstern.
In Little Tokio treffen Batman, Fat Man und Little Boy aufeinander. Der Mitternachtsdetektiv lernt somit die beiden japanischen Gangster kennen, die ebenfalls nach Angel Lupo suchen. Während der Unterhaltung sagen sie ihm, dass Angel nicht den Mut hat, einen Mord zu begehen und seine Schwester über alles liebte.
Um an Angel zu kommen, mischt er die gesamte Unterwelt auf, so dass jeder Kriminelle in Gotham nach Lupo Ausschau hält. Batman sucht erneut Killer Croc auf, der vorgibt, Angel Lupo auszuliefern. Als es zum Kampf zwischen der Fledermaus und dem Krokodil kommt, taucht Crocs Auftraggeber auf und eröffnet das Feuer.
Batmans Überraschung ist groß, denn der wirkliche Mörder von Elizabeth Lupo ist Angels Geliebte Margo Farr. Sie hat Killer Croc angeheuert, um Elizabeth Lupo zu töten, da sie befürchtete, Angel könnte von Elizabeths Geliebten getötet werden, wenn Angel von dem unehelichen Kind seiner Schwester erfuhr und sich an dem Mann rächen wollte. Batman versucht nun, Angel rechtzeitig zu finden, bevor noch ein Mord geschieht, da nun der Geliebte von Elizabeth Lupo Jagd auf ihn macht.
Meinung Nach dem, für viele Fans eher unbefriedigenden, Ende der Hush-Story von Jeph Loeb und Jim Lee präsentiert DC mit dem Kreativteam Brian Azzarello und Eduardo Risso zwei Künstler, die Batman mit ihrer Story wieder zur Höchstform auflaufen lassen. Sowohl körperlich als auch seelisch begibt sich der Dunkle Ritter innerhalb der Handlung bis an seine Grenzen und wird uns als Figur gezeigt, die wie jeder Mensch auch fehlbar handeln kann. Gleichzeitig zeigt uns Azzarello einen Batman, der absolut von seinen Gefühlen beherrscht wird. Seine Logik und sein Verstand werden von Wut, Zorn und Schuld abgelöst.
Anfangs noch als Detektiv auf Spurensuche, versucht Batman, rein auf die Fakten bezogen, den wahren Mörder von Elizabeth Lupo aufzuspüren. Als er dann aber die Schüsse hört und das Kind inmitten seiner toten Eltern sieht, vergisst er seinen kriminalistischen Spürsinn und es erwacht der Rächer in ihm. Ohne die Spuren oder Beweislage zu prüfen, steht für ihn fest, dass nur der flüchtende Angel Lupo die Eltern erschossen haben konnte.
Das Kindheitstrauma, das Bruce Wayne erlitten hat, sitzt immer noch unverarbeitet im Inneren unseres Helden und wird durch diesen ähnlichen Mord wieder an die Oberfläche geholt. In Träumen und Erinnerungen wird Bruce bzw. Batman wieder und wieder an die eine Nacht erinnert, die ihn zu dem werden ließ, was er nun ist.
Mit prägnanten Texten und Zeichnungen erleben wir, wie er den Schock, den er erlitt, als er das tote Ehepaar sah, mit Muskeltraining und in seinen Träumen verarbeitet. Dabei wirken die Träume und Erinnerungen auch als Katalysator, der sein Bestreben, den Mörder zu finden stärker vorantreiben und ihm Kraft und Ausdauer verleihen.
Diese Kraft setzt er nun ein, um mit unerbittlicher Härte vorzugehen. Fast jedes Mittel ist ihm Recht, um den Mörder zu fassen. Am beeindruckensten ist jedoch, wie er es schafft, die Unterwelt für seine Suche einzusetzen. Das Verbrechen in Gotham hat so lange keine ruhige Minute mehr, bis Angel Lupo an Batman übergeben wurde. Somit ist nicht nur die Polizei auf der Suche nach dem angeblichen Mörder, sondern auch jeder Kriminelle, und dank der Schlagzeilen in den Zeitungen auch der Rest der Bevölkerung. Ähnliches sah man in dem Film "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" aus dem Jahr 1931 mit Peter Lorre als Kindermörder, der letztendlich von den Kriminelle der Stadt zur Strecke gebracht wird.
Dass er durch sein Vorgehen einen Unschuldigen zur Beute macht, wird ihm erst bewusst, als er Margo Farr bei dem Treffen mit Killer Croc sieht. In diesem Augenblick der Erkenntnis, in dem er merkt, dass er einen Fehler beging, wirkt er gefasst und glaubt immer noch, Angel Lupo sei der Mörder der erschossenen Eltern. Batman wechselt nun vom Jäger zum Beschützer, schließlich muss er die aufgebrachte Unterwelt, darunter auch den Geliebten von Elizabeth Lupo, davon abhalten Angel zu töten.
Batman versucht nun seinen Fehler wieder gut zumachen, indem er Angel vor allen Anderen findet. Gleichzeitig will er aber auch Angel davon abhalten, tatsächlich noch zum Mörder zu werden, da dieser im Glauben ist, dass Fat Man und Little Boy seine Schwester töteten und er sich nun an ihnen rächen will. Als es endlich zum Aufeinandertreffen zwischen Angel und Batman kommt, erkennt der Dunkle Ritter, dass dieser Mann nicht den Mut hat, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Angel Lupo ist wie versteinert, als er Batman über dem zusammengeschlagenen Fat Man knien sieht. Vom Kampf gezeichnet und mit Blut bespritzt steht ihm Batman gegenüber und kann die Angst von Angel regelrecht spüren. In ruhigen, fast statischen Bildern wird diese Szene geschildert und bringt die Spannung zum Höhepunkt. Auch als Angel wieder flieht, wirkt dies verlangsamt, um die Spannung so lange wie möglich zu erhalten. Der anschließende Tod von Lupo dauert eine komplette Seite an, die in vier Panels aufgeteilt ist. Angefangen mit einer Nahaufnahme seines Gesichts, fährt der Blick zurück, bis man ihn auf dem Boden kniend zusammengesunken sieht. Das letzte Bild zeigt nur seine blutige Hand mit der Kanone, die er festhält, während der Regen fällt.
Das Beeindruckernste an Angel Lupo ist zweifellos, dass uns Azzarello und Risso sein Gesicht vorenthalten. Nur seine Haare und Augen werden dem Leser gezeigt, sein Gesicht bleibt im Verborgenen. Der Leser soll gar keine große Bindung zu dem Charakter aufbauen, kein eigenes Gefühl für ihn bekommen, da er das Böse ist, das drei Menschen tötete. Nur die Erzählungen von einigen Charakteren sprechen für das Gute und Unschuldige dieses Menschen. So steht Aussage gegen Aussage, was es uns unmöglich macht, ein eigenes Bild von Angel Lupo zu formen.
Mit Angel Lupos Tod muss sich Batman nun eingestehen, dass er einen Fehler beging, den er hätte vermeiden können. Batman gibt selbst zu, dass er sich für diesen Tod schuldig fühlt und vielleicht deshalb Arnold Wesker nicht erzählt, wer der wirkliche Mörder von Elizabeth ist. Würde er dies tun, wäre er auch für diesen Mord verantwortlich.
Ein weiterer Höhepunkt innerhalb der Story ist sicherlich der Auftritt des Jokers. Dabei spielt er diesmal mehr die Rolle des Hannibal Lector aus "Das Schweigen der Lämmer". Als Gefangener in Arkham lässt er Batman zu sich kommen. Die Gefährlichkeit des Charakters bringt Azzarello durch die Art, wie der Joker Batman zu sich bestellt zum Ausdruck. Der Psychopath hatte drei Mitinsassen dazu gebracht, sich die Gedärme durch ihren Hintern herauszuziehen.
In seiner Zelle sitzend begrüßt er seinen Gegenspieler voller Zynismus und führt ihm die Fehler der vergangenen Tage vor Augen. Er genießt es regelrecht, das Batman fehlerhaft ist und labt sich an der Wut, die Batman entwickelt, je länger er vom Joker mit seiner Schande konfrontiert wird. Dabei bringt ihm der Joker mit seinen Kommentaren über den wahren Mörder anscheinend zur Besinnung und trifft genau den Nerv, der Batman veranlasst noch einmal den Tatort des zweiten Mordes zu überprüfen
Hier wieder in der Rolle des Detektivs, untersucht er den Tatort und macht auch nicht vor der Kanalisation halt, um eine Spur bzw. Beweismittel zu finden. Dabei stellt er Vermutungen an, weshalb die Eltern erschossen wurden und zieht einen Vergleich mit seiner eigenen Vergangenheit. Wurde der Mord verübt, weil jemand seinen Willen nicht bekam und darauf hin seine Eltern "hasste"?
Hat der Junge aus Wut, gar Trotz, gesagt, dass er seine Eltern hasst oder empfand er wirklich so und hat deswegen seine Eltern ermordet? Batman konfrontiert den Jungen, für den er die ganze Hetzjagd unternahm, mit der Tatwaffe, die er in der Kanalisation fand. Das Ergebnis bestätigt die Vermutungen des Dunklen Ritters. Ein weiterer Fehler, den sich Batman ankreiden muss. Für einen Mörder, auch wenn er noch ein Kind ist, hat er einen Unschuldigen gejagt und sogar geopfert.
Batmans weitere Gegenspieler neben dem Joker sind diesmal Killer Croc, Scarface und die beiden neuen Gangster Fat Man und Little Boy.
Killer Croc wird hier wieder mit einem, für seine Verhältnisse, normalem Erscheinungsbild gezeigt. In feinem Anzug mit Mantel und Hut versucht er über sein abnormales Äußeres hinwegzutäuschen. Um noch menschlicher auszusehen, hat er sich sogar seine Zähne richten lassen. Trotz Kleidung und Zahnprothesen gelingt es ihm aber nicht seine animalischen Triebe zu verbergen, was ihn immer wieder in sein altes Verhaltensmuster zurückfallen lässt.
Oswald Cobblepot gibt sich in der Rolle des Informanten und bildet die Schnittstelle zwischen Batman und der Unterwelt. Getarnt hinter der Fassade der Iceberg Lounge, hat sich der Pinguin ein Monopol auf den Handel mit Informationen geschaffen. Beeindruckend ist die Vorstellung des Charakters innerhalb der Story. Azzarello beschreibt detailliert das Erscheinungsbild, das von Eduardo Risso fast einszueins in die Zeichnungen übernommen wurde. Mit den Knopfaugen und den spitzen Zähnen wirkt er hier mehr als ein Tier, als ein Mensch. Wie auch bei Killer Croc, versucht Cobblepot seine Hässlichkeit mit einer makellosen Kleidung zu kaschieren.
Arnold Wesker und Scarface wurden klassisch gezeichnet und verhalten sich auf den ersten Blick wie immer. Einzig die Tatsache, dass der Bauchredner einen seiner Untergebenen mit der Puppe erschlägt und nicht, wie sonst üblich, erschießt, lässt den Charakter brutaler erscheinen und deutet bereits darauf hin, dass etwas mit dem Charakter anders ist wie sonst. Die Trauer um seine Geliebte wird ausführlich beschrieben und es gelingt Arnold Wesker diesmal, die Oberhand zu behalten. Aus Trauer, Wut und Zorn zerstört er auch Scarface und löst sich damit von ihm, da er für sich alleine die Zeit benötigt, um den erlittenen Verlust zu verarbeiten.
Mit dem Gangster-Duo Fat Man und Little Boy bekommt Batman zwei weitere Gegner präsentiert, die auch in Zukunft öfters auftreten könnten. Die Vorstellung findet in einer Fischfabrik statt. Der gigantische Fat Man bearbeitet gerade einige Fische mit Haken und Hackebeil, als wäre diese seine normale Arbeit. Fast beiläufig unterhalten er und seine Partnerin Little Boy sich mit Batman. Das die beiden auch vom Kämpfen Ahnung haben stellen sie zudem unter Beweis.
Brian Azzarellos kritische Geschichte hinterlässt eine drückende Stimmung. Obwohl sie genial erdacht und geschrieben ist, spiegelt sie doch unsere Realität wieder. Kinder, so alt sie auch sein mögen, sind in der Lage, einen Mord zu begehen, ebenso wie Menschen die einen Verlust erlitten haben. Mit dieser Tatsache muss sich nicht nur Batman, sondern auch der Leser abfinden.
Eduardo Rissos Zeichnungen wirken beeindruckend. Die Figuren werden real und nicht überzeichnet dargestellt. Auch bei den Rückblenden in Bruces Kindheit wurde darauf geachtet, dass der junge Bruce Wayne seinem älteren Ego ähnelt. Risso arbeitet viel mit Schatten, was der Story ein zusätzliches Flair gibt und eine düstere Stimmung verleiht. Die Farben von Patricia Mulvihill unterstreichen diese Stimmung. Da die Handlung meistens nachts spielt, wurden dunkle Farbtöne eingesetzt, selbst helle Farben wirken bedrückend und abgeschwächt.
Risso zeigt uns keine Schönzeichnung der Charaktere, insbesondere nicht von Batman. Die Blässuren und Wunden nach den Kämpfen zieren seinen Körper, insbesondere sein Gesicht, wie Trophäen und lassen den Leser teil werden an den Schmerzen, die der Held aushalten muss. Auch die seelischen Schmerzen werden uns gezeigt. Die Besessenheit, die ihn antreibt, um den Mörder zu finden oder die Trauer und Schuldgefühle werden gekonnt in Szene gesetzt und bleiben nicht unberücksichtigt.
Gerade der Schluss zeigt uns, dass nicht nur ein Held hinter dieser Figur steckt, sondern auch ein Mensch, der Fehler begehen kann. Nachdem es zu regnen aufhörte und Batman den wahren Täter entlarvte, sitzt er unter einer Regenrinne, damit man seine Tränen nicht sieht.
Azzarello und Risso gelingt es mühelos mit Klassikern wie "Tod in der Familie" oder "Long Halloween" mitzuhalten und haben sich für "Kaputte Stadt" einen Platz unter den besten Batman-Stories verdient. Es wäre schön, wenn wir von diesem Kreativ-Team weitere Abenteuer erleben könnten.
Auch wenn der Preis von 15,50 Euro nicht gerade gering ist, lohnt sich der Kauf auf jeden Fall. "Kaputte Stadt" ist einer der wenigen Comics, die ich ohne zu zögern jedem Batman-Fan nur empfehlen kann. Zeichnungen und Text wirken sich positiv aufeinander aus und vereinen sich zu einer Detektiv-Geschichte, die zu einem Thriller anwächst, am Ende aber wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet. Positiv anzumerken ist auch, dass neben den sechs Heften auch die einzelnen Cover der US-Ausgaben enthalten sind und der Sonderband dadurch abgerundeter wirkt.
Details: Batman Sonderband #1 Story: Brian Azzarello Zeichnungen & Tusche: Eduardo Risso Farben: Patricia Mulvihill Übersetzung: Steve Kups 148 Seiten, EURO 15,50 Panini Comics
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