|
01.04.2004
Selbstgemacht:
Mein eigener Batsuit
In Signal #9 (12/99) veröffentlichten wir die Anleitung zum Bau eines Batsuits, die wir auf einer US-Seite fanden. Auf vielfachen Wunsch stellen wir diese nun wieder online.
Wie alles begann: Nachdem 1989 der erste Batmanfilm erschien, konnte man bei der Morris Costume Company ein Batman Halloween Kostüm bestellen. Nach näherer Betrachtung in einem Kostümverleih gab ich die Hoffnung auf, daß es auch nur ansatzweise ein realistisches Duplikat des Filmkostüms sei. Lieblos entworfen und schäbig verarbeitet, ließ es den Träger eher lächerlich als toll aussehen (Seit ihrem ersten Versuch hat Morris die Kostüme verbessert und liefern bei den teureren Masken eine ganz anständige Arbeit ab. Für Halloween sind die Sachen in Ordnung, aber ein ausgewachsener Fan, der Conventions besucht, und der bewundert werden will, anstatt amüsierte Blicke zu ernten, erwartet mehr). Also beschloß ich 1990 in der festen Überzeugung, es besser zu können, mein eigenes Kostüm zu entwerfen und anzufertigen.
Genaue Anleitung:
Die Maske (wirklich ein Helm) ist aus geformten schwarzen Latex, nicht bemalt und nicht aus der Massenherstellung. Gefüttert ist sie von innen mit einer massive Plastikform, um im Gegensatz zum weichen Gummi ein authentisches Gefühl zu vermitteln. Ein Schaumstoffpolster ist im Futter eingearbeitet, um auch langes Tragen angenehm zu machen. Das Innere der Augenbrauenfurchen ist mit Latex ausgegossen, damit sie beim Tragen der Maske ihre Form behalten. An der Rückseite befindet sich keine Naht, so daß sie auch prüfenden Blicken standhält. Das Innere des Nackenbereiches wird mit der selben Politur wie das Kostüm beschichtet, damit ich die Maske über Kopf und Gesicht ziehen kann. Es schmiegt sich gut an und es gibt keine auseinander klaffenden Lücken.
Das Bat-Emblem auf der Brust ist aus Fimo-Masse, einem Knetmaterial, das beim Backen härtet. Das gelbe Einlage um die Fledermaus ist nicht bemalt, sondern vielmehr aus Acryl, das mit gelber Farbe versetzt wurde, gegossen. Es hat so einen glasähnliches Aussehen und bildet einen perfekten flachen Hintergrund. Danach wurde es fest an der Maske befestigt. Das Emblem wiegt ca. 225 g.
Der Oberkörper-Muskelpanzer ist massiv und glänzend. Ich fing mit einem Hemd mit Stehkragen an und nähte ein 1,5 cm Schaumstoffpolster ein. Danach nähte ich die Linien der Muskeln, die ich zuvor aufgezeichnet hatte, nach und so bekam das ganze durch den gesteppten Effekt den Anschein, als würden die Muskelformen hervortreten. Der ganze sichtbare Vorderbereich wurde mit Acryl, das vorher mit schwarzer Farbe vermischt wurde, beschichtet. Die Arme werden mit demselben Material, aus dem auch die Hosen gefertigt sind, abgedeckt. Es besteht alles aus einem Stück und geht in Football-Schulterpolster über, an denen das Cape mit Schrauben befestigt wird. Die Maske verbirgt die Befestigungsschrauben.
Die Grundlage für die Handschuhe bildet ein paar gekaufte Ski-Handschuhe, die am ehesten den gewünschten Step-Effekt auf dem Handrücken bieten. Die Panzerhandschuhe wurden an lederähnliches Vinyl genäht, das zu den Handschuhen paßte (mit 0,7 cm starkem Schaumstoffpolster innen, um ihm Volumen zu geben) und dann aufeinander genäht. Die Finnen sind aus massiven Acryl: ich machte zuerst von einer ein Model aus Balsaholz und überzog sie mit Acryl, um sie zu glätten. Dann tauche ich sie in Latex und benutzte die Form, um alle 6 Finnen aus schwarzem Acryl zu gießen. Nach dem Erhärten wurden sie aus der Form genommen und an einen Plastikstreifen befestigt und von innen an der Panzernaht, in der Löcher freigelassen wurden, befestigt. Sie fühlen sich wirklich echt an und nicht wie weicher Gummi.
Der Gürtel ist aus geformten Latex, auf der Rückseite mit mehreren Schichten gegossenen Latex verstärkt. Die Schnalle ist tief ausgeschnittenen, um alle Details sichtbar zu machen und mit einer speziellen gold-metallic Latexfarbe überzogen, um die Nähte zwischen den hinzugefügten Schnallen Elementen zu verbergen. Sie ist massiv, um ihre Form beim Tragen zu behalten und am Rücken mit einem eingebauten "normalen" Hosengürtel befestigt.
Die Grundlage für die Stiefel bilden ebenfalls ein paar normale Stiefel, die vom Aussehen her meinen Vorstellungen entsprachen. Die Schienbeinschützer sind aus Plastik geschnitten und mit demselben Vinyl wie die Armpanzer überzogen. Die Sparren sind aus Streifen von gegossenem Acryl und angeklebt. Die Schienbeinschoner sind stabil permanent an den Stiefeln befestigt. Die Rist-Details sind eigentlich Teile eines anderen schwarzen Stiefels, der mit Lederriemen bestückt war. Ich schnitt sie ab, fügte weitere Riemen und Schnallen hinzu und brachte sie auf der Spitze des Fußrückens unten am Schienbein-Schoner an.
Die Hosen sind handgenäht und bestehen aus Stretch Vinyl. Es ist sehr schwer zu finden und relativ teuer, aber es ist das beste Material, da es beim Tragen, wenn es gedehnt wird, einen glänzendes Aussehen bekommt, das wie Latex wirkt. Sie werden mit Hosenträgern unter der Körperrüstung und Fußriemen im Stiefel getragen, um das Material straff zu halten. Der Gürtel verbirgt den Übergang zwischen der Rüstung und den Hosen und läßt alles wie ein Teil aussehen. (Einfaches Spandex mag für ein TV-Serien Outfit passen, aber nicht für die Filmversion. Meine ersten Hosen waren aus Spandex, die ich auf einer Schaufensterpuppe befestigte und mit mehreren Schichten schwarzen Latex überzog. Sie war dick und glänzend und sah toll aus, aber das Latex nutzte sich an den Stellen, wo es verbunden war, schnell ab und konnte nicht lange getragen werden. Sie waren auch schwer an- und auszuziehen, da das Latex sich nur wenig dehnte.)
Das Cape ist ein Ungetüm in der Herstellung und beim Tragen, aber es ist die Mühe wert. Aus dem selben Material wie die Handschuhe, wird es normalerweise zum Polstern von Bootsitzen verwendet. Sorgfältig entworfen und in Kuchenstück-Formen abgemessen, werden immer zwei Stücke Rücken zu Rücken für jeweils ein Teil aneinander genäht, so daß das Innere wie das Äußere aussieht. Die Flügelspanne beträgt 3,35 m im Durchmesser, wenn das Cape getragen und hochgezogen wird, aber wenn es auf dem Boden liegt und voll ausgebreitet ist, bedeckt es fast den ganzen Raum. Metallstangen, eingenäht in den beiden Vorderteilen, ermöglichen es mir, das Cape zu öffnen. Holzstäbe wären zerbrochen. Das Cape wird zum Tragen an die Football-Schulterpolster unter dem Körperpanzer geschraubt. Es ist zu schwer, um es anders zu befestigen. Das erste Cape, das ich machte, war mit schwarzen Latex überzogenes Satin, das auch in Ordnung war und das entsprechende glänzende Aussehen hatte, aber ich wollte, daß es wie Leder wirkt und das Vinyl entspricht meinen Vorstellungen, so daß ich es für das letzte Cape benutzte.
Anmerkung: Einfaches schwarzes Satin ist für einen TV-Batman OK, aber nicht für den Film Batman. Jedoch ist es eine gute Alternative zu dem teuren und schweren Vinyl Cape. Mit schwarzem Latex beschichtetes Satin geht auch und sieht gut aus, besonders wenn es mit Reifen-Politur eingerieben wurde. Es ist flexibler als das dickere Material, das ich benutze und kann für dich die beste Wahl sein.
Ich habe sogar als Accessoires ein selbstgemachtes Batarang und Communikator hinzugefügt. Sie sind an einem Klettband an der Rückseite des Gürtels befestigt und sorgen bei Photos immer für Heiterkeit, ebenso der Transmitter mit einer eiligen Nachricht von Robin.
Anlegen des Kostüms: Zuerst lege ich den nicht schmierenden schwarzen Lidschatten auf die Lider und um die Augen, so daß alles bedeckt ist, was man durch die Augenlöcher der Maske sehen kann. Das erste, was ich anziehe ist die Hose und die Stiefel, als nächstes die Schulterpolster und das obere Kostüm, dann den Gürtel.
Mein Helfer (und ich brauche einen Helfer, es ist unmöglich, das Kostüm alleine anzuziehen), stellt sich auf einen Stuhl und befestigt das Cape mit 5 Schrauben. Wenn das Cape richtig und sicher sitzt, hilft er mir mit der Maske, die im Inneren Klettbänder unter dem Batsymbol hat und damit mit einem Klettstück auf dem Körperpanzer verbunden ist. Schließlich hilft er mir, die Handschuhe anzulegen. Die gesamte Ankleideprozedur dauert eine halbe Stunde.
(Quelle: eine leider nicht mehr verfügbare US-Site.)
|