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Interview mit Jonathan Nolan & David S. Goyer
Anfang Juli hatte Bill 'Jett' Ramey von Batman-on-Film die Gelegenheit bei einer Presseveranstaltung für 'The Dark Knight' teilzunehmen und den Interview-Gesprächen mit Cast und Crew beizuwohnen.
Nachfolgend findet ihr die Übersetzung des Interviews mit Jonathan Nolan, der mit seinem Bruder Christopher das Drehbuch zum Film schrieb, und David S. Goyer, auf dessen Story 'The Dark Knight' basiert.
Viel Vergnügen!
Frage: Kannst Du etwas über die Batman Fanboys - die jedes einzelne Detail von Batman kennen - erzählen und welchen Einfluss sie auf die Erstellung des Drehbuches und der Geschichte hatten?
Jonathan Nolan: Nun, ich sehe mich selbst - und ich bin mir sicher dass es David genauso geht - als einen Fanboy. Ich fühle, dass ich ein Teil dieser Nation bin, ein Teil dieser Gemeinschaft, also versuche ich wie einer zu denken...ein wenig zumindest. Aber ein Drehbuch zu schreiben ist ein etwas anders, denn Du versuchst eine komplette Geschichte zu schreiben, während die Comics für immer weiter gehen.
David Goyer: Ich denke, dieses Mal hatten wir einen Pfad den wir mit 'The Dark Knight' beschreiten konnten. Während wir den sechsten Teil der Batman Serie machten, mussten wir uns entscheiden ob wir mit der Kontinuität der [eigenen] Serie weitermachen, oder ob wir von vorn anfangen wollen. Ich glaube aber - und das hat großflächig mit Chris [Nolan] zu tun - wir haben durch 'Batman Begins' eine Menge Wohlwollen bekommen und daher nehme ich an, dass die Fans auf diesen Film nicht ganz so misstrauisch reagieren.
Frage: Wenn man heute in einem Comic Shop geht, sieht man 6, 7, 8 unterschiedliche "Batmans".
DG: Nun, ich glaube Jonah hat darüber schon gesprochen. Die Leute werden sagen "Auf welchem Comic hast Du das basieren lassen?" oder "Warum hast Du diesen Teil des Originals geändert?" Aber es gibt 70 Jahre voller Batman Geschichten und die Herkunft des Jokers wurde immer wieder neu bearbeitet und gewandelt.
JN: Und ich glaube, wir haben jede davon gelesen. [lacht]
DG: Ja, und sie haben auch den Ursprung von Two-Face neu bearbeitet. Sie haben sogar die Entstehung von Batman geändert, weißt Du das?
JN: Genau das ist auch der Schlüsselmoment, das ist der Moment in dem Du die Lizenz bekommst Veränderungen zu machen, weil es nicht nur eine einzige Version oder Vision von dieser [Batman] Geschichte gibt. Das gibt Dir eine Menge Freiraum. Die Sache ist einfach die, dass Du die Welt [Batmans Welt] durch eine bestimmte Linse sehen willst und durch unsere Linse - Chris' Linse - und der Auftrag, den wir von ihm bekommen haben war, dass wir mit Realismus arbeiten. Ein Universum das mit den Gesetzen der Physik arbeitet und ein Universum, das unsere Helden befolgen müssen.
DG: Genau. Das war der Auftrag den wir uns selbst mit 'Batman Begins' gegeben haben und den haben wir mit 'The Dark Knight' weiter aufrecht erhalten. Es ist nicht wirklich so revolutionär, aber ich glaube es hat zu ein paar wirklich guten Filmen geführt.
JN: Es scheint einfach, dass einige der besten Batman Comic Geschichten - die Frank Miller Geschichten, die Alan Moore Geschichten ...
DG: Und Jeph Loebs.
JN: Richtig. Sie scheinen einfach diesen Aspekt ["Realismus" - Jett] mit unserer Vision gemeinsam zu haben.
BOF: Der Joker dieses Films hat mir den Eindruck vermittelt, dass viel von BATMAN 1 in ihm ist, einfach aus dem Fakt heraus, dass er "einfach da ist".
JN: Absolut. Wir wollten die Herkunftsgeschichte nicht darstellen, weil wir glaubten, dass es ihn weniger interessant machen würde.
BOF: Ich habe Chris schon früher danach gefragt und er sagte, dass Du ihn darauf hingewiesen hättest - [und] das die Idee die er und David hatten, der von BATMAN 1 sehr ähnlich war.
JN: Das ist wahr. [lacht] Als wir mitten im Prozess [des Schreibens] waren, ging ich noch einmal zurück und sah mir den ersten Auftritt des Jokers im Buch an. Es gab sicherlich eine Menge Momente in BATMAN 1 die fast [und in manchen Szenen sogar komplett] identisch mit 'The Dark Knight' waren. [Es war] sehr zufriedenstellend die Anfänge dieses Charakters praktisch rückwärts aufzurollen.
BOF: Aber es hatte auch einen Hauch von 'The Killing Joke' ...
DG: Oh ja, definitiv. Ein wenig von der Dynamik zwischen dem Joker und Batman haben wir definitiv aus 'The Killing Joke' übernommen. Ganz offensichtlich ist auch ein bisschen von 'The Long Halloween' dabei. Ein bisschen Stoff aus Millers Geschichten. Ich glaube in 'The Dark Knight' haben wir weniger Sachen von Denny O'Neill als in 'Batman Begins'.
BOF: Ich hatte das Gefühl, dass die 'Killing Joke'-Einflüsse sehr subtil im Film waren und das man sich sagte - innerhalb des Comics - das der Joker, wenn er eine Ursprungs Story haben sollte, es lieber eine ...
JN: ... Art "Multiple Choice" sein sollte. Hast Du das verstanden? Okay. [lacht] Die Idee hinter dem Joker war, das wenn eine der Geschichten die er erzählt wahr wäre, es den Charakter schmälern würde. Es ist irgendwie beängstigender, auf eine Art zumindest, weil es dann kein Geheimnis gibt. Es gibt keine Hintergrund-Geschichte. Er ist genau das, als was er sich darstellt - ein Anarchist.
DG: Wie Du schon gesagt hast, "Er ist einfach". Er ist ohne eine Ursprungs Story einfach interessanter.
Frage: Wie habt ihr das Drehbuch aufgebaut und geschrieben?
DG: Nun, Chris und ich haben einen Monat oder so damit verbracht die Geschichte aufzubauen. Wir haben das Grundgerüst - oder wie auch immer Du es nennen willst - geschmiedet. Danach kam Jonathan dazu und hat [mit dem Schreiben des Drehbuches] eine unglaubliche Arbeit vollbracht.
JN: Es war eine sehr einfache Arbeit - wegen dieser Kerle einer der einfachsten Jobs die ich je hatte; und es war sogar noch besser wegen dieser unglaublichen Geschichte ... und mit 'Batman Begins' und der Art und Weise wie die Charaktere bereits hervorragend vorbereitet waren, war es so einfach diese Geschichte und die Charaktere zu nehmen und einfach weiter zu machen.
Jemand fragt eine dumme Frage mit dem Inhalt, wie man es verhindern könne, das die Charaktere so werden, wie sie Jack Nicholson und Tommy Lee Jones dargestellt haben.
DG: Wir haben es noch nicht einmal versucht. Weißt Du, vor Jack Nicholson hat Cesar Romero den Joker gespielt. Und weißt Du was, irgendjemand wird in 10 oder 12 Jahren wieder den Joker spielen. Wir haben uns gar nicht damit auseinander gesetzt. Wir haben uns einfach gesagt, das hier ist wie 'Batman Begins' - etwas ganz eigenes. Es ist Chris' Version von der Batman Welt und ich glaube wirklich, das diese Welt neben der von Tim Burton existieren kann.
JN: Absolut. Genauso, wie man in einen Comic Laden gehen kann und 8 unterschiedliche Versionen von Batman sehen kann, fühlt es sich ganz natürlich an das gleiche in den Filmen zu tun. Es erschien uns einfach ganz natürlich die Richtung einzuschlagen, die wir nehmen wollten.
Frage: Dieser Film ist nicht wirklich etwas für kleine Kinder, oder? Ich meine, ich habe ein 7-jähriges Kind ...
JN: Uh, nein. Der Film sollte dieses Mal mindestens eine PG 13 Freigabe [ab 12 bzw. 16 Jahren] haben.
DG: Sieh mal, ich habe ein 10 Jahre altes Kind und eine 12-jährige Nichte und ich würde vielleicht mit der 12-jährigen ins Kino gehen. VIELLEICHT.
Frage: Das klingt nach einem R-rated [ab 16] Film.
DG: Sieh mal, wir haben darüber gesprochen...bei 'Batman Begins' und diesem Film war das eines der Dinge über die wie gesprochen hatten. Während wir uns mit den Fans beschäftigten und damit, was sie darüber denken, waren wir wirklich gespannt darauf, dass wir Menschen für den Film interessieren können, die keine echten Comic Fans sind. Sieh mal, meine Großmutter mochte 'Batman Begins' wirklich und sie ist 94. Zur Hölle, eine Menge Menschen sind nach 'Begins' auf mich zugekommen und haben gesagt "Ich hasse Comic Verfilmungen" oder "Ich hasse Batman Filme" aber sie haben den Film wirklich gemocht. Er ist viel erwachsener und definitiv nicht wie diese übertriebene 60er Serie. Und das war die Herausforderung, verstehst Du, zu versuchen diese Menschen - und Chris hat hier eine fantastische Arbeit abgeliefert - diese normalen Menschen dazu zu bringen den Film zu sehen und zu genießen. Es ist ein sehr emotionaler Film, ein sehr bewegender Film und er berührt Dich auf dieser Ebene. Und das ist schwer, wenn Deine Charaktere auf der Leinwand in verrückten Kostümen herumrennen.
JN: Ja, für mich sind die [Batman] Comics todernst gewesen. Und ich würde gerne denken, dass die Intensität des Films nicht nur von der expliziten Gewalt oder ähnlichem kommt. Weißt Du, ich habe beim letzten Film ein wenig als Berater mitgearbeitet - sehr kurz allerdings. Und ich habe mir 'Batman Begins' in der Mitternachts Sneak Preview angesehen. Es war unglaublich aufregend, den Film mit einem Publikum sehen zu können - und mit einem Publikum das sehr gespannt war den Film zu sehen, und das auf all die aufregenden Ideen reagiert hat, die eingebaut wurden. Das war cool.
DG: Ja, ich habe die 'Batman Begins' Eröffnungsnacht mit einem "echten Publikum" gesehen. Und das war einfach unschlagbar. Weißt Du, wenn die Menschen auf Dich zukommen ... und sagen, dass sie den Film wirklich genossen haben - das ist es, wovon man träumt. Zu wissen, das etwas das Du getan hast, den Menschen beeinflusst hat und ihm Freude bereitet.
Jemand stellt eine Frage zum Ursprung der Geschichte.
DG: Sieh mal, wir wollten nichts zum Ursprung des Jokers erzählen. Und ehrlich gesagt, wenn wir es getan hätten, wäre es glaube ich, weniger interessant gewesen.
JN: Da stimme ich vollkommen zu. Wir haben die Enstehung von Batman gesehen und irgendwie hat ihn das mit dieser Welt etwas enger verbunden. Somit waren wir in der Lage ein bisschen mehr von dieser Welt durch Harvey zu sehen. Er ist das Rückgrat dieses Films ... es ist sein Storybogen und auf viele Arten ist er der Protagonist.
Frage: Kannst Du uns ein etwas was von Harvey Dent erzählen?
DG: Es war bereits am Anfang unserer Gespräche ziemlich offensichtlich, dass Harvey definitiv der Protagonist sein würde. Der Joker ändert sich nicht und Batman verändert sich nicht wirklich. Aber Harvey ist derjenige, der sich verändert - als Resultat seiner Wechselbeziehung zwischen dem Joker und Batman. Offensichtlich verändert er sich auf eine sehr tragische Art und das bedeutet, dass dieser Film eine Tragödie sein muss.
JN: Der Storybogen des Films ist die Tragödie von Harvey Dent. In einer gewissen Art ist es die Ursprungsgeschichte von Two-Face - welche wir, denke ich, als eine komplette[re] Geschichte erzählt haben.
Frage: Du hast eine hervorragende Arbeit mit dem Joker und Two-Face bei diesem Film geleistet, gibt es andere Batman Schurken die Du benutzt und mit denen Du einen genauso guten Job machen kannst? Es wird schwer werden, das zu überbieten ...
DG: Wir werden sehen. Chris ist definitiv ein "ein Film nach dem anderen" Typ und es war drei Monate nachdem 'Batman Begins' herausgekommen war, als er mich endlich anrief und sagte: 'Lass uns zum Mittagessen gehen und über einen anderen Film sprechen.' Aber nein, es gab keine "genaueren" Gespräche darüber, einen dritten Film zu machen.
JN: Ich wüsste sogar wo wir anfangen könnten! [lacht]
DG: Es gibt eine ganze Menge von Charakteren die ich mag. Für uns geht es darum, wen man nehmen könnte und auf eine realistische Art - in einem realistischen Umfeld darstellen könnte.
JN: Ja, diese ganz bestimmte Sichtweise von Batman benötigt das und es eliminiert einige Charaktere. Aber ...
DG: Du wirst auf jeden Fall keinen Clayface in diesem Film sehen! [lacht]
JN: Ja, Clayface wäre schwierig darzustellen - aber es gibt dieses Gerücht wirklich online, das besagt, dass es in 'The Dark Knight' Hinweise auf einen Auftritt von Clayface gäbe. Aber naja, diese Sache, die David vorhin über die Schurken-Galerie sagte ...
DG: Sie ist RIESIG!
JN: Batmans Schurken-Galerie - die meisten von ihnen sind sehr realistisch. Sie ist RIESIG und sie ist WEITREICHEND - und in dieser Galerie finden sich eine Menge Charaktere mit Tiefe. Und naja, eine Menge dieser Charaktere fühlen sich so an, als ob sie in eine real[istisch]e Welt passen könnten.
DG: Die Sache beim ersten Film war, dass die Leute sagten "Wen werden Sie nehmen? Den Pinguin, den Joker, den Riddler etc.". Das alles sind bekannte Charaktere - den meisten bekannt aus der TV-Serie - und hier kommt die Überraschung, wir haben Ra's al Ghul und Scarecrow genommen. Sicherlich, sie waren keine Charaktere aus den anderen Filmen oder aus der TV-Serie, aber sie waren bekannte Charaktere innerhalb der Comics. Und es gibt eine Menge solch bekannter Charaktere aus den Comics, die noch nicht benutzt wurden - aber trotzdem kennen sie die Comic-Leser.
Frage: Gibt es Ideen, mit denen ihr schon "inoffiziell" gespielt habt?
DG: Hm, vielleicht. Aber die werden wir Dir sicherlich nicht erzählen.
[Übersetzung LadyLovecraft]
Quelle: Batman-on-Film
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