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Interview mit Christopher Nolan
Anfang Juli hatte Bill 'Jett' Ramey von Batman-on-Film die Gelegenheit bei einer Presseveranstaltung für 'The Dark Knight' teilzunehmen und den Interview-Gesprächen mit Cast und Crew beizuwohnen.
Nachfolgend findet ihr die Übersetzung des Interviews mit Christopher Nolan, der bei 'The Dark Knight' Regie führte und am Drehbuch mitarbeitete.
Viel Vergnügen!
Chris Nolan: Und? Wie fanden Sie's?
Batman-On-Film: Ich bin hin und weg, ganz ehrlich. Der Film war großartig! Und ich bin echt froh, dass ich vorab nicht allzu viel wusste - obwohl ich natürlich dies und das schon wusste, weil ich ja die Website mache.
CN: Ich weiß, was Sie meinen. Ich fand es auch immer schon besser, nicht alle Einzelheiten eines Films zu kennen, wenn man sich ihn ansieht. Es schmälert sicherlich den Spaß, vorher schon Bescheid zu wissen.
BOF: Ich finde, Sie haben es geschafft, Batman Ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken und gleichzeitig dem Mythos treu zu bleiben.
CN: Nun, schon bei 'Batman Begins' wollte ich David Goyer dabeihaben, weil er ein enormes Wissen über Batman besitzt, über die Comics und seine Geschichte. Wir befassten uns also mit Batmans "Evolutionsgeschichte", die 65, 70 Jahre, die es ihn gibt, mit all den tollen Künstlern und Autoren, die daran gearbeitet haben. Natürlich hat es über die Jahre sehr unterschiedliche Interpretationen des Charakters gegeben. All das haben wir studiert und uns dann auf das fokussiert, was die Zeit überdauert hat, was konstant geblieben ist und dadurch Kultcharakter bekam.
Im Nachhinein kann man es als eine Menge überflüssiger Arbeit ansehen, aber für mich ist es ganz klar ein Vorteil. All die verschiedenen Interpretationen von Batman haben geholfen, unsere eigene Version zu gestalten.
BOF: Der Joker… Ich kann nur sagen, Heath war unglaublich…
CN: Oh ja, das war er.
BOF: Der Filmjoker scheint sich stark am Joker aus 'Batman #1' zu orientieren [dem Comic von 1940, in dem der Joker zum ersten Mal auftrat - Anmerk. Peter], wo er einfach eben ‚da ist', wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber gleichzeitig hat er viel vom modernen, heutigen Joker. War das von Ihnen so geplant oder hat es sich ergeben?
CN: Es ist tatsächlich einfach so passiert. Obwohl ich nicht sagen kann, ob Jonah das genauso sieht. [Jonah Nolan ist Christophers Bruder und hat das Drehbuch mit geschrieben] David Goyer und ich haben die Story entwickelt und dann Jonah für den ersten Entwurf übergeben. Als David und ich die Story zusammenbastelten, haben wir uns auf keine der vorhandenen Geschichten aus den Comics bezogen. Wir haben uns einfach auf unsere Erinnerungen an die Joker Storys verlassen, die wir kannten, und dann versucht, unsere eigene Geschichte darauf aufzubauen. Eines Tages rief Jonah mich an, als er gerade dabei war zu schreiben, und er fragte: "Hast du in letzter Zeit die beiden ersten Joker Storys gelesen?" Ich sagte, das hätte ich vor Jahren getan, als ich mich auf 'Batman Begins' vorbereitete. Er meinte, ich sollte noch mal einen Blick drauf werfen, denn es gäbe da einige Parallelen zwischen unserem Joker und diesen frühen Sachen. Also las ich sie noch mal und war ziemlich überrascht. Der Joker von damals ist wirklich schon komplett ausgereift. Er ist ein vollständig geformter Charakter, der sich nicht erst entwickeln muss.
BOF: Ganz genau. Sie wissen sicher, dass es 11 Jahre lang keine Angaben über seine Herkunft gegeben hat, keine Erklärung, warum er so aussieht, wie er aussieht, und sich so benimmt, wie er es tut. Einige Fans beschweren sich, dass er nicht "dauerweiß" ist, dass die weiße Haut und die grünen Haare nicht echt sind. Die Sichtweise kann ich zwar verstehen und respektieren, aber selber bin ich mir gar nicht sicher, dass sie nicht echt sind - obwohl er natürlich ganz offensichtlich Make Up trägt.
CN: Klar. Ich fand schon immer, wenn man sich mal diese außergewöhnlichen Charaktere anschaut - und ich rede jetzt nur von den Filmfiguren - also, je mehr man über sie erfährt, woher sie kommen und so weiter, desto uninteressanter werden sie. Das trifft beispielsweise auf Hannibal Lector zu oder Darth Vader. Als die zum ersten Mal auf der Leinwand auftauchten, waren sie schon vollständig ausgereifte Figuren. Bei Batman war es genau andersherum - da wollte ich alles über seine Geschichte und seinen Hintergrund erforschen. Bei Helden ist das eben anders als bei den Schurken. Daher wollte ich den Joker als fertig entwickelten Makler für Chaos und Anarchie präsentieren.
BOF: Der "magische Trick" ist schon was Besonderes!
CN: (lacht) Ja, den hat Jonah schon früh mit ins Skript gebracht, und ich habe darauf vertraut, dass er es richtig macht, denn ich konnte mir echt nicht vorstellen, wie das in einen Film mit NC-13 [entspricht FSK 12] passen sollte! (lacht) Aber wir haben einen Weg gefunden, und es hat prima funktioniert.
BOF: Mein jüngster Sohn ist sieben, und natürlich ist er als Batman Fan aufgewachsen…
CN: Keine Frage! (lacht)
BOF: … und er will den Film unbedingt sehen! (lacht)
CN: Sieben ist wahrscheinlich wirklich noch ein bisschen zu jung. Zwar ist der Film offiziell ab 13, aber ich denke, die meisten 12-Jährigen werden auch damit umgehen können. Meine Kinder sind noch jünger, daher werde ich ihnen eben nur Ausschnitte zeigen, wie beispielsweise die Verfolgungsjagd aus 'Batman Begins' oder die Bat-Pod-Szenen aus dem neuen. Das ist auch das Tolle an DVDs - man kann auswählen, was man sehen will! (lacht)

BOF: Als ich 'Batman Begins' gesehen hatte, hab ich so was wie "Hell YEAH!" gerufen und meiner Frau und meinen Kumpels, die den Film mit mir ansehen mussten, High-Five gegeben. Aber bei 'The Dark Knight' hab ich am Schluss sprachlos dagesessen, ehrfürchtig und emotional aufgewühlt. Es war irgendwie melancholisch, wissen Sie? Hatten Sie so etwas beabsichtig? Zwei so unterschiedliche Enden?
CN: Unbedingt. 'Batman Begins' sollte auf jeden Fall aufregend enden - so dass man sich die Geschichte im Kopf weiterspinnt. Bei 'The Dark Knight' hatte ich das Ende schon vor Augen, noch bevor die Story geschrieben war. Es sollte emotional werden, riesengroß, gewaltig und voller Schwere. Darum geht es schließlich bei Batman. Der Schluss sollte all das zusammenfassen.
BOF: Wir wissen alle, dass Batman ewig ist. Die Story hört niemals auf. Ich wage zu behaupten, selbst in Ihrem Batman Universum ist die Geschichte, ja sogar Batman selbst, unendlich.
CN: Ja, das stimmt.
BOF: Das Bat-Pod… Das Cape ist echt in den Szenen, nicht wahr? Hatten Sie keine Angst, dass es sich in den Rädern verfängt?
CN: (lacht) Ja, es ist echt. Vielleicht haben Sie bemerkt, dass Batman in den Hochhausszenen in Hong Kong eine Art Rucksack trägt. Lindy Hemming, unsere Kostümdesignerin, hat den schon früh entworfen, so dass das Cape darin origamiartig gefaltet und dann wieder ausgebreitet werden konnte. Wir haben geahnt, dass es mit dem Batpod problematisch werden könnte, aber ich wollte das Cape wenn irgend möglich fließend mit dem Bat-Pod, weil's einfach besser aussieht. Dann begannen die Tests, und man teilte mir mit, dass es tatsächlich funktionieren würde. Und das hat es dann auch - obwohl dieses Cape ein wenig kürzer war als das übliche. Der Fahrer brauchte nur mit wenigen Stundenkilometern unterwegs zu sein, schon hatte der Fahrtwind das Cape gepackt.
BOF: Sind Sie jetzt ein größerer Fan als vor der Arbeit an 'Batman Begins'?
CN: Es ist auf alle Fälle anders. Ich habe jetzt schon so viel Zeit damit verbracht, über ihn [Batman] nachzudenken und mit ihm zu arbeiten. Ja, doch, gute Frage. Ich fand die Figur immer schon interessant und habe sie bewundert. Er ist ein toller Charakter, Sie wissen das natürlich. [Chris Nolan wendet sich ab und überlegt einen Moment] Ja, ich denke, mittlerweile fühle ich mich ihm sehr viel näher.
[Übersetzung Petra Lückewerth]
Quelle: Batman-on-Film
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